Jospeh Sissens, Anna Rose O'Sullivan in «The Illustrated <Farewell>» von Twyla Tharp. Foto: Tristram Kenton

The Illustrated Farewell

Immer mal wieder betreiben Choreografen das Recycling eigener Werke, ergänzt um frische Ware. So auch Twyla Tharp beim Royal Ballet in London

Tanz - Logo

Das Wort «Farewell» im Titel bezieht sich auf Joseph Haydns «Abschiedssymphonie» Nr. 45 in fis-Moll – eine berühmte Komposition, da die Musiker im finalen Adagio nacheinander einzeln das Podium verlassen, bis nur noch zwei Geigen übrig sind, die die Melodielinie bis zum Ausklang der Symphonie fortführen. Im Herbst 1772 komponiert, gilt das Werk als mehr oder weniger subtiler Wink mit dem Zaunpfahl, den Haydn an seinen Mäzen, den Prinzen Esterházy, adressierte.

Dieser habe seinen Aufenthalt auf Schloss Esterházy überstrapaziert, die Musiker der kleinen Kapelle warteten voll Sehnsucht auf die Gewährung des längst fälligen Urlaubs. Die Hintergründe von Haydns musikalischem Scherz mögen heute weitgehend in Vergessenheit geraten sein; die «Abschiedssymphonie» ist zu Recht ein populäres Werk des Komponisten geblieben.

Déjà-vu mit Verführungspotenzial

Twyla Tharp hat es in ihrer jüngsten Arbeit für das Londoner Royal Ballet – aufgeführt im Rahmen einer Triple bill zusammen  mit Arthur Pitas «The Wind» (Seite 15) und Hofesh Shechters «Untouchable» von 2015 – in eine eindrucksvolle Bildersprache überführt und zu einem zweigeteilten Hybrid umarrangiert. Zu Anfang stürzt sich der gewohnt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Mike Dixon

Weitere Beiträge
Autobiografie: David Hallberg

Eine schwere Verletzung ist für Tänzer ein einschneidendes Erlebnis, umso mehr, wenn sich Operationen und Genesung über zwei Jahre hinziehen. David Hallberg, Erster Solist beim American Ballet Theatre, verarbeitet sein Trauma in einer gut geschriebenen Autobiografie, spannt darin den Bogen von seinen ersten Stepptanzschritten in der heimischen Waschküche hin zur...

Comic im Netz 1/18

Was bitte passiert eigentlich in «Schwanensee»? Wie kommt «Giselle» ins Grab? Und wer tummelt sich da im Königreich der Schatten von «La Bayadère»? Wer auf die Schnelle wissen will, was ihn im Theater erwartet, der greift für gewöhnlich zum Ballettführer oder klickt im Netz Wikipedia an. Dass sich aus den oft seltsam verschlungenen Inhalten auch sehr unterhaltsame...

Nicki Liszta

Durch eine freie Szene, die praktisch am Verstummen ist, hallen ihre Stücke wie kleine Explosionen. Gleich mit ihrem Erstling «zwischen häuten» räumte Nicki Liszta 2008 den Stuttgarter Theaterpreis für die beste Tanzproduktion ab. Seitdem hält sie in der Stadt von Ballettwunder und Gauthier Dance das Fähnchen des zeitgenössischen Tanztheaters hoch, wirft Körper...