Ten Pen Chii: "Su-I"
Butoh geht es gut, solang er die Abenteurer fasziniert. Joaxhim Manger baute in Afrika Staudämme. Heute schweißt er zwei Pfannen luftdicht zusammen. Dann unter Hochdruck gesetzt, wölben sich die Stahlbehälter gegen die eigene Schweißnaht. Nur Ventil und Düse schauen gefährlich aus den Tellerminen. Manche sind groß wie Lastwagenreifen, andere klein wie ein Wok. «Schläfer» nennt er sie, wie unter Druck gesetzte Menschen, die am Tag X todbringend erwachen und Terror verbreiten.
SU-I heißt die Performance, «Kern des Menschen», sein Innerstes, Gefährlichstes. Seine Lebensgefährtin Yumiko Yoshioko unterhält mit diesen stählernen Töpfen ein erotisches Verhältnis. In gelben Flokati gekleidet, schläft sie auf den zum Platzen gespannten Stahltöpfen, reitet sie, verführt sie, kitzelt gefährlich nah am Ventilhahn ihr phallisches Potenzial heraus. Unschuldig hüpfend trägt sie immer mehr Druckpfannen in den Raum des Berliner Dock 11, beschwört sie hexenhaft. Ihre zuckenden Finger befreien den Luftgeist. Unter ohrenbetäubendem Zischen, von lautem Techno verbrämt, öffnen sich die Büchsen in rasender Pirouette. Mit Vollgas krachen sie gegen andere Büchsen, donnern Funken sprühend gegen die Wand, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In diesen Tagen wird wieder einmal überlegt, die Sparte Tanz an einem Stadttheater zu schließen. Diesmal ist das Ballett in Hagen an der Reihe. Eine Kompanie also, in der so renommierte Choreografen wie Richard Wherlock und Marco Goecke ihre Karriere begonnen haben.
In den letzten 15 Jahren sind an deutschen Theatern fast 30 Prozent der Stellen im Bereich Tanz,...
Christoph Wavelet, 38-jährig, Journalist, Essayist und ehemals Tänzer, darf heute definieren, was neue Kunstformen sind. In Saint-Nazaire, wo in der südlichen Bretagne die Loire in den Atlantik mündet, wird er einen neu eröffneten Kulturstützpunkt in internationale Gewässer führen. Der Lieu International de Formes Emergentes heißt abgekürzt ganz einfach LIFE. Kein...
Bettina Wagner-Bergelt
als Ballettdramaturgin und Stellvertreterin des Direktors des Bayerischen Staatsballetts sind Sie 2008 die Kuratorin des Münchner Tanzfestivals Dance. In den 1980er Jahren waren Sie selbst maßgeblich an der Entwicklung des Festivals Dance beteiligt. Ist das die Rückkehr? Ich war damals im Münchner Kulturreferat stellvertretende Leiterin der...
