Tamara Rojo über Forsythe
Für mich ist Billy Forsythe der ultimative Klassiker. Ein wahrer Erbe von Petipa und Balanchine. Sein Verständnis der reinen klassischen Linie, ihrer Wurzeln, Strukturen und ihres Vokabulars sowie dessen, was «klassisch» wirklich bedeutet – all das hat ihm die Freiheit gegeben, die Regeln zu brechen und diese Sprache weiterzutreiben als irgendwer anders. Ich bin aufgewachsen mit einer tiefen Bewunderung für sein Schaffen, sowohl an der Pariser Oper wie für seine eigene Kompanie. Ich habe mir immer gewünscht, eines Tages mit ihm zu arbeiten.
So ging ein Traum in Erfüllung, als er zusagte, eine Uraufführung für das English National Ballet zu choreografieren. Sein «Playlist (Track 1,2)», das wir 2018 herausgebracht haben, ist schon jetzt ein fester Bestandteil unseres Repertoires geworden – und weltweit Inspiration für andere Werke. Die raffiniertesten klassischen Schritte und Mus-ter mit heutiger Popmusik zu kombinieren, die sowohl die Tänzer auf der Bühne wie auch ein junges, ein anderes Publikum verbindet. Das ist gewagt – und schlicht genial!
Bill Forsythe ist zudem ein Renaissance-Mensch, denn seine Kunst sprengt längst den Bühnenrahmen und hat die prestigeträchtigsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 22
von
Normale Lehrer in irgendeiner Brennpunktschule wären fassungslos über so viel stille Ehrfurcht im Unterricht: In der Stuttgarter John-Cranko-Schule gibt die 80-jährige Marina Vasilieva eine Masterclass, vor dem Spiegel sitzt fast der komplette Lehrkörper und schaut zu, die Mädchen der beiden Akademieklassen kleben an den sparsamen Bewegungen und den leisen Worten,...
Für den Gestrandeten ist die Insel, sollte man meinen, ein herrschaftsfreier Raum. Hier lassen sich Hierarchien schwerlich aufrechterhalten, weil um des Überlebens willen jeder, egal welchen Standes, auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. Zumindest nominell aber müssen die gesellschaftlich diktierten Abstände gewahrt werden, wie berühmte literarische Beispiele...
Sie wird erst einmal ein Jahr pausieren. Ab Februar 2020 vermerkt ihr Kalender keine Uraufführung, nur hier und da eine Einstudierung aus dem bereits verfügbaren Repertoire. Ansonsten will sie mehr Zeit fürs Nachdenken und für die Familie. Crystal Pite ist eine kluge Frau. Eine, die weiß, dass man sich nicht pausenlos verausgaben kann, ohne irgendwann im Leerlauf...
