surviving merce
Er wich der Frage gerne aus, genau wie es Erblasser meistens tun. Am besten ließ man, sagt ein Vertrauter, «so nebenbei beim Abendessen eine Bemerkung fallen nach dem Motto – weißt du, wir haben uns Gedanken gemacht und meinen ….» Worauf Merce Cunningham entweder sagte: «Nein, das sehe ich nicht so.» Oder: «So könnte ich’s mir vorstellen.» Generell war er nicht übermäßig daran interessiert, «was passiert, wenn ich nicht mehr bin».
Was soll ein Choreograf, ein epochaler Tanzschöpfer seine Energie auf die juristisch wasserdichte Abfassung eines Vermächtnisses verschwenden, wo er doch nichts als das Hier und Heute der Kunst im Kopf hat?
Wie sich derzeit in Wuppertal zeigt (s. Seite 30), ist die Regelung der Hinterlassenschaft durch Hinterbliebene freilich mit erheblichen Risiken behaftet: Wie schafft es eine Kompanie, den Tod von Gründungsvater oder -mutter zu überleben, ohne zum Museum zu verkommen? Noch dazu, wenn über Jahrzehnte ein unverwechselbarer Tanz-Habitus in ihren Reihen herangewachsen ist – ein Image, das am Faden der Altvorderen hängt? In Merce Cunninghams Fall ist die Frage am Silvesterabend 2011, zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Patriarchen, letztgültig beantwortet ...
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Tanz Juni 2013
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann
Bettina Masuchs Zurückhaltung wirkt beinahe schon aristokratisch. Dabei macht sie derzeit jede Menge durch. Sie rettet Festivals. Ihr Beruf als Kuratorin ist wörtlich zu verstehen. Die 47-Jährige heilt, wo sie nur kann. Im holländischen Utrecht wurden aufgrund von Sparentscheidungen das für Performance zuständige «Festival a/dWerf» und Masuchs eigenes Tanzfest...
Bis vor ein paar Jahren gab es, mal ganz grundsätzlich gesehen, zwei Sorten von Müttern: die Glucken und die Paradiesvögel. Mittlerweile sind die Business-Moms hinzugekommen, deren Aufkreuzen für den Tanz jedoch relativ folgenlos blieb. Denn die Escada-Amazonen lassen ihren Nachwuchs von Oma, Nanny oder Aupair zum Ballett chauffieren, und für sich selbst heuern sie...
hat soeben die künstlerische Leitung des Tanztheaters Wuppertal übernommen – und weiß nicht, was kommt. Der große Blonde, fast 40 Jahre dem Ensemble verbunden, ist zwar eine Idealbesetzung. Doch vor ihm liegt eine Herkules-Aufgabe. «Mach‘s gut, Lützchen», würde ihm Pina zurufen. Aber «viel Spaß, Pinchen» – das würde er diesmal sicher nicht antworten.
Denn die...
