stell dir vor
du bist ein Tänzer aus Mali. Die Vorurteile liegen auf der Hand. Du hast diese «besondere» Hautfarbe und eine für europäische Tänzerverhältnisse zu sportliche Physiognomie. Nun aber haben es alle aus den Nachrichten erfahren. Bei dir zu Hause herrscht Krieg. Jeder fragt dich besorgt: Stammst du aus dem Norden oder Süden von Mali? Auf einer zeitgenössischen Bühne bist du jetzt der ideale Katastrophengebietstänzer. Selbst wenn du in Frankreich aufgewachsen bist.
Oder stell dir vor, du lebst auf diesem schmalen Handtuch zwischen der Türkei und Ägypten.
Es gibt kein anderes Gebiet, in dem in dreitausend Jahren mehr Krieg geherrscht hat als hier. Omar Rajeh verbrachte 15 Jahre seines Lebens im libanesischen Bürgerkrieg. Heute steht sein Nachbarland Syrien in Flammen. Dass er jetzt im April zu seiner «Arabischen Plattform» auch (geflohene) Choreografen aus Damaskus ins benachbarte Beirut einlädt, halten die einen für mutige Krisenintervention, aber andere nennen ihn einen Trittbrettfahrer der Krise. Darum hatte Rajeh in den Vorabgesprächen zu Nicole Streckers Porträt (Seite 20) enorme Vorbehalte, denn: «Welcher Künstler will schon einen Krisengebiets-Bonus?»
Eben. Und stell dir vor, du ...
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Tanz April 2013
Rubrik: editorial, Seite 1
von
«Wo sind die schwarzen Balletttänzer?», fragten im Herbst 2012 Olivia Goldhill und Sarah Marsh in der britischen Tageszeitung «The Guardian». Die Autorinnen, selbst weder Tanzkritikerinnen noch bislang mit einschlägigen Publikationen in Erscheinung getreten, beklagen den Umstand, dass es in großen, internationalen Ballettkompanien so wenig schwarze Tänzer gibt....
Immer wieder dieser Satz: «Man muss Kunst und Politik trennen.» Omar Rajeh wird nicht müde, ihn zu wiederholen. «Ich vermeide es, über Politisches zu reden», sagt er und meint damit auch die explosive Lage in seiner Heimat, dem Libanon. Zu sensibel, zu kompliziert findet das ein Künstler, der sich in seinen Produktionen oft mit politischen Themen beschäftigt. Der...
newcomer_________
christine borch
Die Presse vergaß nicht, mehrfach die Schönheit der drei Tänzerinnen zu betonen, die auf einem runden Präsentierteller lagen, in delikat weiten Blusen, die stöhnten, orgiastisch atmeten und gemeinsam zu einem Höhepunkt kamen. Zur Eröffnung der «Tanztage» in Berlin sah man sie darauf in glücklicher Erschöpfung mit melodischen...
