Spiel macht Mobil
«Zuschauer, welch ein obszönes Wort!», rief Augusto Boal, der verstorbene brasilianische Verfechter eines partizipativen, politischen Theaters. Sein Theater des Eingreifens sollte sozial benachteiligte Schichten beim Sprengen ihrer Fesseln unterstützen. Andernorts stößt man auf Begriffe wie «spect-acteur» oder auf einen «Theaktor».
Der agierende Zuschauer – ein Widerspruch in sich? Aber möchte man wirklich für immer ein rezipierendes Publikum mit verschränkten Armen sein? Wie lange wird man sich noch still verhalten wollen vor der Bühne? Dem Kino geht es bereits an den Kragen, Videospiele laufen ihm den Rang ab. Sich im Radio von einem DJ ein Musikprogramm aufzwingen zu lassen, das ist im Zeitalter von lastfm und ähnlichen Internet-Radios, die nach dem eigenen Musikgeschmack gehen, schon heute ein Anachronismus. Entsprechend schwerer wird es, die Hierarchie zwischen Bühne und Theatersaal zu akzeptieren.
Denn in interaktiven Installationen darf der Mensch einfach Mensch sein, darf hüpfen, hangeln oder mit virtuellen Figuren in Dialog treten. Schuld sind die neuen Medien und die bildende Kunst. Sie spielen mit dem Körper. Deren Installationen haben gegenüber Theater, Oper oder ...
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erhält mit ihrer niederländischen Kompanie WArd/waRD für ihre Stücke «Co(te)lette» über die Rivalität zwischen Frauen und den Bildern, die von ihnen gemacht werden, und «We Solo Men» den «Mouson Award» des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm. Alle zwei Jahre wählt eine Tanzjury die erfolgreichste choreografische Arbeit am Haus. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis...
Noch im Saal, direkt nach der Vorstellung, erklärt sich ein Kollege «unfähig, auch nur zwei Zeilen zusammenzureimen». Mein lieber Schwan! Der Herr muss den Tod mit aller Macht verdrängen. Wann sonst sieht man in 60 Minuten neun Menschen auf einer Tanzbühne sterben? Das gesamte Personal! Das kann man tragisch finden, pathetisch, schablonenhaft. Es hängt auch davon...
Die beiden gehören zu den wenigen Niederländern, deren Arm aus der freien Szene heraus tief hinein in die deutschen Stadttheater reicht. «Sporen» heißt das 2003 entstandene Werk von Andrea Leine und Harijono
Roebana, das nach einer erfolgreichen Amerikatournee (welche freie Gruppe bekommt das schon hin?) ihren Mix aus Barockmusik und zeitgenössischen Komponisten...
