somatik
Was für eine Methode ist das, die keine Tanzmethode sein will? Was für eine Technik ist das, die sich nicht Tanztechnik nennen möchte? Es geht um Gaga, kurz und lustig vom israelischen Choreografen Ohad Naharin so getauft. Die Tanzforscherin Einav Katan nahm in Tel Aviv am Training der Batsheva Dance Company teil und befand, dass Gaga ein «Werkzeug zur Erhöhung der Bewegungspräzision und -wahrnehmung» ist. Es dient der Erweiterung der «körperlichen Intelligenz», weil hier der «Körper sich selbst reflektiert».
Es geht, so Katan, um ein buchstäbliches «Ver-Stehen» im Sinne von Hans-Georg Gadamer: eines Tanzens anstatt eines Stehens. Da der Körper selbst der «Spielplatz» seiner eigenen Erfahrung ist, kann Gaga aber weder Methode noch Technik genannt werden. Vielmehr ist es für Katan eine somatische Praxis, eine von Tänzern praktizierte «Philosophie», die nicht durch ein Weiten des Gedankens, sondern durch die «Weiterung der Bewegung» zu «körperlicher Weisheit» führt.
Die in Berlin lebende Autorin taucht tief ein, aber kaum gelangt die Gaga-Praxis an die Oberfläche des Papiers, erstarren ihre Fundstücke im Duktus der akademischen Sprache. Wer verstehen will, was Gaga ist, dem gibt ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Medien, Seite 60
von Arnd Wesemann
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