solitudes solos

Wer sich nicht in Pose wirft, hat schon verloren. Wer seine Muskeln nicht stählt, ist out. Jeder Körper ein Werbebild? Daniel Léveillé hält dagegen

Tanz - Logo

Es sind essenzielle, reduzierte Solotänze, die Daniel Léveillé in «Solitudes Solo» mit zum Teil höchster Kunstfertigkeit präsentiert. Das Stück, das keinerlei kommerzielle Konzessionen macht und populistische Befindlichkeiten allenfalls flüchtig streift, hat ihm bereits einige Lorbeeren eingetragen. Was der Choreograf für «Solitudes Solo» ersonnen hat, ist alles andere als leichte Kost. In fünf Variationen zeigen seine Tänzer Muskulatur und physische Kraft: Eine(r) nach der/dem anderen vollführen sie Permutationen der spezifischen Bewegungen.

Dabei schafft Léveillé eine stilistische Einheit, indem er einen Tänzer performen und wieder abgehen lässt, bevor der Nächste dessen Startposition einnimmt: Wachwechsel. Er ist ein Meister der Ordnung und nutzt kompakte Strategien, um die Körper, beinahe wie anatomische Anschauungsobjekte, zur Schau zu stellen. Straffe Muskeln, kräftige Schenkel, Rücken, die sich wellenförmig schlängeln: Es sind Körper voller Selbstvertrauen, bereit zu jeder Bewegung. Léveillé verwendet glides, Schwünge, Jetés, Pliés und Stürze durchaus mit Seitenblick auf das moderne Tanzvokabular der 1970er.

Der vitruvianische Mensch

Jeder Tänzer, jede Tänzerin ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2014
Rubrik: tanz im august, Seite 30
von Philip Szporer

Weitere Beiträge
köln: Shang-Chi Sun: «The Photographer»

Philip Glass komponierte «The Photographer» 1982 für das «Holland Festival», einen Dreiteiler mit den Sätzen «Schauspiel», «Konzert mit Fotografien» (von Eadweard Muybridge) und einem fulminanten «Tanz» als Finale. Dieses Mixed-Media-Stück holte das Kammerensemble Neue Musik Berlin nun anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Berliner Museums für Fotografie in...

Master-Macher: Theo Van Rompay (english version)

Next academic year, P.A.R.T.S. in Brussels celebrates its twentieth birthday. Soon after it opened, it became a reference in dance education in Europe and even beyond, if only because some of the best teachers worldwide were linked to the school. Theo Van Rompay has been its head almost from the very first day on, right after Anne Teresa De Keersmaeker decided to...

wien: Chris Haring: «The Perfect Garden – Deep Dish»

Geradezu meta-irdische Ansichten bietet diese Vogelperspektive. Die Flugroute führt aus dem Ananas-Gebirge über die Erdbeer-Felsen direkt in den Lauch-Dschungel. Falls es ein Paradies gibt, muss es wohl so aussehen wie auf Chris Harings Großbildleinwand – hingepixelt von einer hoch auflösenden Kamera. Es versteckt sich im Dickicht der Minzblätter oder auf dem...