Skandalös: «Was erlauben Wowereit?»

Tanz - Logo

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, Künstler zu zermürben. Man kann sie verunglimpfen, finanziell aushungern, totschweigen. Eine der effektivsten Strategien aber ist: Künstler im Subventionsclinch gegen andere Künstler in Stellung zu bringen. Wie das funktioniert, hat Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit kürzlich vorgemacht. Seine Opfer hießen: Sasha Waltz, Daniel Barenboim und Georg Vierthaler, seines Zeichens Generaldirektor der Opernstiftung und zugleich Geschäftsführer des Staatsballetts.

Sasha Waltz kämpft seit Jahren um eine Aufstockung der Zuweisungen, die aus der öffentlichen Hand an ihr Ensemble fließen (tanz 10/13). Zuletzt haben ihre Leute eine Deckungslücke von einer Million Euro errechnet. Als verhängnisvoll erwies sich, dass Waltz genauso wenig wie die übrige freie Szene der Hauptstadt eine polittaugliche Drohkulisse aufbauen kann. Drohkulisse heißt hier: massenhafter Abbau von Arbeitsplätzen, Wegfall von Steuereinnahmen, kurz – alles, was unter dem Primat der Ökonomie als Risikofaktor gilt. Wenn bloß ein paar Vorstellungen wegfallen, ein paar Kulturtouristen weniger aufkreuzen, wenn – Maximalgefahr – Sasha Waltz die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2014
Rubrik: menschen, Seite 30
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
hamburg: Moses Pendleton: «Botanica»

Auch bei der Wiederaufnahme seines 1982 uraufgeführten «Tutuguri: Ritus der schwarzen Sonne» tanzte Moses Pendleton den Titelpart, das Alter Ego von Antonin Artaud, auf dessen Texte sich das Stück bezog. Fürs Ballett der Deutschen Oper Berlin wurde jene Zweitbegegnung 1995 ein Erfolg, für Pendleton, 1949 als Farmersohn geboren und Absolvent eines ...

xin peng wang

Die Premiere am Hong Kong Ballet Ende Oktober war ein Triumph. Tags darauf saß der Dortmunder Ballettchef Xin Peng Wang im Flugzeug zurück nach Deutschland. Während er im Landeanflug war, erfuhr seine Ballettfassung des chinesischen Literaturklassikers «Der Traum der roten Kammer» – uraufgeführt 2012 in Dortmund – die erste Reprise: in Form einer deutlich...

potsdam: Brandstätter, Gerbes: «Festina Lente»

Es sind wohl 40 Leute, die in den Berliner Uferstudios auf fünf Tänzer treffen. Man erklärt uns vorab schriftlich, dass wir die folgende Choreografie beeinflussen würden, falls sich unsereins an die Regeln hielte: Wir werden zählen. Sagt jemand «Eins», soll ein nächster Unbestimmter «Zwei» sagen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass gleichzeitig zwei...