Sehnsucht nach Geborgenheit
Heute über Heimat zu sprechen, heißt häufig über ihren Verlust zu reden. Die Sehnsucht nach heimatlicher Zugehörigkeit tritt ein, wenn man sie gerade zu verlieren scheint oder bereits verloren zu haben glaubt. «Heimatverlust» bewirkt einen Phantomschmerz, meist bleibt er unerlöst. Die äußere Heimat – der Boden, der Wald, das Land, der Raum – ist faktisch ja nach wie vor vorhanden, die innere Heimat aber nicht mehr. Wenn die Übersetzung der inneren und äußeren Heimat ineinander misslingt, -treten Verlustgefühle und mit ihnen Verlustängste auf.
Natürlich hat nicht jeder das Empfinden, seine Heimat einzubüßen. Wo kein Verlustgefühl auftaucht, fügen sich innere und äußere Heimat offenkundig so harmonisch ineinander, dass es keinerlei Übersetzung bedarf. Diese Menschen fühlen sich auf ganz natürliche Weise beheimatet und der Heimat verbunden. Für sie gibt es keinen Anlass, über Heimat nachzudenken oder sich die Frage nach ihrer Neudefinition zu stellen. Womöglich wird sie das mittlerweile zum politischen Konflikt gewordene Räsonnement über «Heimat» eher verwundern, manchmal gar verstören. Doch im verstaubt klingenden, überraschend aus dem Archiv abgelegter Ideen hervorgekramten Wort ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2018
Rubrik: Daheim, Seite 56
von Christian Schüle
Lorenzo Trossello hat einen jener überirdisch proportionierten Körper, die den Gedanken nahelegen, er stehe mit Gott auf ganz besonders gutem Fuß: hochgewachsen, muskulös, mit breiten Schultern und kräftigen Beinen, dazu ein ideales Bühnengesicht mit großen dunklen Augen, markanter Nase und gewinnendem Lächeln. Seit seiner Aufnahme am Northern Ballet in Leeds im...
Es ist sicher kein Zuckerschlecken, in der norddeutschen Provinz die Fackel des Tanzes an einem Siebenspartenhaus mit vier Spielstätten und 20 Millionen Euro Etat am Flackern zu halten. Vor allem, wenn man als gebürtiger Pariser den Glanz des dortigen Ballet de l’Opéra erlebt hat. Doch Antoine Jully, der als Tänzer in seiner Heimatstadt und beim Royal Ballet London...
Ligia Lewis kreiert engagierte, dissonante, notwendige Tanzstücke. Bestes Beispiel: «Minor Matter» (2016), von der Choreografin gemeinsam mit -Tiran Willemse und Corey Scott-Gilbert performt – abstrakt und zugleich unerhört persönlich. In Zeiten neu aufkeimender rassistischer Gewalt und der vor diesem Hintergrund agierenden internationalen Bewegung «Black Lives...
