schwanenschritte

Die papiernen Zeugen des Luis Casanova Sorolla.

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Neunzig Quadratmeter feinstes, jungfräulich weißes Papier, wie ein Tanzteppich auf dem Boden ausgerollt. Schon nehmen die Schwänchen Aufstellung, reihen sich zum ikonischen Pas de quatre aus dem «Schwanensee». Ihre Spitzenschuhe pikieren den Untergrund, die Sohlen senken und heben sich synchron, der Abstand zwischen seitlich geneigter Wange und Schulter scheint mit dem Zentimetermaß festgelegt. Knapp zwei Minuten nimmt der Auftritt in Anspruch, eine Filmkamera fängt ihn aus der Vogelperspektive ein.

Von dort wirken die Tänzerinnen wie Köpfe mit seltsam gestauchten Körpern und x-förmig verschränkten Armkettengliedern. Doch sobald das Quartett sich vom Platz bewegt, gar die Raumposition wechselt, erfasst das Objektiv von der Decke aus eine merkwürdige Erscheinung: Jeder Schritt, jede Berührung hinterlässt auf dem gleißenden Weiß des Papiers anthrazitgraue Marker.

Bis zuletzt Kritzel und Kringel, Striche, Haken, Ellipsen und leicht verschliffene Punkte exakt die Wege nachzeichnen, die das Vierergespann genommen hat: ein Abdruck der Choreografie in der Fläche, eine Spiegelung ihres Bodenmusters. Gerade so, als hätte Raoul-Auger Feuillet eine sehr flüchtige Skizze seiner «Chorégraphie» ...

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Tanz März 2016
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von

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