Sang Jijia
Was macht der Tanz in China? Keine Ahnung. Dass das kommunistische Land sich seit zwanzig Jahren immens verändert, ist allenthalben bekannt. Was sie dort tanzen, erreicht unsere Bühnen, vielleicht auch aus nichtgeografischen Gründen, extrem selten, wenn es nicht gerade eine «Schwanensee»-Zirkusnummer ist. Seitdem die diesjährigen Wiesbadener «Maifestspiele» die erst 2005 gegründete Kompanie Beijing Dance/LDTX in ihr großes, gediegenes Staatstheater einluden, bin ich neugierig geworden.
Denn «Unspeakable» von Sang Jijia aus dem Jahr 2007 kommt weder gediegen daher noch exotisch, nicht Tai-Chi-ästhetisch, schon gar nicht ballettsteifig oder propagandapompös. Sondern auf der Bühne mit der seitlichen Holzmauer und dem hinteren Steg, gestaltet vom Choreografen selbst, zeigt sich etwas wie die Freiheit der Bewegung.
Die Choreografie ist fein strukturiert im Gesamtablauf und im Detail, hält mal still, rennt mal aufgeregt durch den Raum, mit nervösen und brutalen Begegnungen, Vereinzelungen, einer Gruppe auf der Flucht, einem wortreichen Disput über den Hergang einer früheren Szene. Diese Chinesen werden der hiesigen Betrachterin zu Zeitgenossen in einer Welt der Orientierungssuche. Die ...
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