salon k
Tuchfühlung ist ein wunderbares Wort. Die Kleider der beiden fremden
Damen im Aufzug knistern. Wir passen nur zu dritt in die enge Kabine.
Geburtstagsgeschenke baumeln an ihren Handgelenken. Ein Duft von
Narzissen steht in der Luft, die in den vierten Stock gefahren wird. An
der Wohnungstür: schüchternes Klingeln. Die Einladung enthielt das
Versprechen, es würde Champagner und Tänzer geben: als Dessert an
einem Samstagabend, nach einem Diner auswärts und bevor man in
die Klubs geht.
Es ist ein verschwiegener Salon in Berlin, die Adresse
nur per E-Mail zu erfahren. Nirgendwo fühlt man sich fremder als an einem
so privaten Ort. In der Hoffnung auf Freizügigkeiten herrscht kleinlauter
Respekt.
Die Gastgeberin lässt uns freundlich ein. Das schmucke Damenpaar aus
dem Aufzug fragt nach dem Geburtstagskind. Man kennt sich und erkundigt
sich nach den Fremden in diesem Salon; er wirkt wie aus
einem Jahrhundert, als das Wohnzimmer noch Foyer war und die Privatzimmer
sich hinter zweiten Fluren verbargen. Er nennt sich «Salon
K»: «K» für King, Patrick King, eine kreolische Schönheit, der später
neben mir auf der Sofakante seine langen, muskulösen Beine wippen
lässt, damit ich ungläubig staune, dass der Tänzer ...
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Tanz Juli 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Der bekennende Voyeur sucht nach Momenten, in denen sich fremdes Leben manifestiert. Er sucht nichts Spektakuläres, nichts wirklich Fremdes, Aufregendes oder Entblößendes – wenn es nur einen Einblick gibt in ein Paralleluniversum, eine andere Realität, eine Alternative zum Wie und Wo des eigenen Lebens. Der bekennende Voyeur – ist er in fremden Wohnungen zu Gast –...
Ein Aporem ist ein unlösbares intellektuelles Problem. Wer sich darin verfängt, mag sich bald wie ein Zombie vorkommen, dessen Körper und Geist auseinanderstreben. Kann zum Beispiel jemand, der wie Daniel Linehan um die 30 Jahre alt ist, nachvollziehen, dass die Generation seiner Eltern einst auf Rockbands abfuhr und die Welt verbessern wollte? Klar, der Abgleich...
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