Rituale: Nora Kimball-Mentzos
Meinen allerersten Auftritt hatte ich im Corps de ballet, hinterste Reihe, Mitte rechts, zur Polonaise im dritten Akt von «Eugen Onegin». Vor der Premiere auf der Bühne des Opernhauses sprachen mir verschiedene Kompaniemitglieder ihr «Toi, toi, toi» aus – neu gewonnene Freunde, die mir Glück wünschten und mich mit kleinen Geschenken bedachten. Schon damals hatten diese Gesten etwas von einem Vorbereitungsritual, das ich auch jetzt noch, viele Jahre später, praktiziere.
Heute sind meine Auftritte seltener geworden, doch noch immer begleitet mich mein liebster Talisman auf all meinen Wegen zu den großen und kleineren Bühnen dieser Welt, egal wie aufwendig das jeweilige Projekt ist.
Ich bekam ihn von Reid Anderson und Dieter Gräfe geschenkt, meinen roten Meditations-Esel. Er hat mich seither durch alle meine Kompaniewechsel und beruflichen Veränderungen begleitet und mir dabei geholfen, trotz meiner hohen Anspannung und Nervosität den Fokus nicht zu verlieren und mich in turbulenten Zeiten zu erden. Einen -Namen habe ich ihm nie gegeben, aber ich empfinde ihn als männlich. Eines Tages entdeckte ich ihn plötzlich vor dem Warm-up an der Stange, etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 12
von
Der Kreis oder «Circle», den wir kurz vor jeder Aufführung bilden, ist ein Ritual, das wir nie überspringen. Wir kommen dicht zusammen, stehend, halten uns an den Händen, um die Schultern oder Hüften. Verbinden uns über die Berührung. Wir schauen uns in die Augen, erspüren, wie es den anderen geht und beschwören in uns ein gemeinsames, energetisches Gefühl herauf....
Im stillen Teich, und das ist die italienische Tanzlandschaft, war der einzige Stein, der das Wasser kurz in Wallung brachte, die Vergabe des «Goldenen Löwen» auf der Biennale von Venedig für die Lebensleistung des 43-jährigen Choreografen Alessandro Sciarroni. Der Italiener darf sich somit einreihen in die illustre Liste von Preisträgern, auf der Merce Cunningham...
Eines lässt sich gewiss feststellen, blickt man auf das belgische und niederländische Tanzgeschehen der zurückliegenden Saison: In beiden Ländern setzen widrige finanzielle und organisatorische Bedingungen dem Tanz empfindlich zu. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass bedeutende künstlerische Ereignisse ausgeblieben sind. Eine bemerkenswerte...
