Regensburg: Georg Reischl «Juke Box Heroes»
Georg Reischl ist der neue Tanzchef am Stadttheater Regensburg, und niemand anders als seine Tänzerinnen und Tänzer sind die Helden der Einstandsinszenierung. «Juke Box Heroes» begeistert durch Witz und Esprit ebenso wie durch das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen künstlerischen Gewerke. Reischl interessiert sich für die Bewegung an sich, für das Ausloten tänzerischer Expression und die Fusion verschiedener Stile. Was sich abstrakter anhört, als es ist.
Denn «Juke Box Heroes» gerät auch dank der Musiktitel zur facettenreichen, kess amüsanten Parodie auf alle Arten von Imponiergehabe. Wobei sich Männer und Frauen gar nicht groß unterscheiden.
Die Hand am Hinterkopf zum Kamm aufgestellt, so gockeln die Männer. Die Frauen antworten mit spanischer Grandezza. Dabei konterkarieren Choreografie und Kostüme die Rollenklischees, weil Posen genderübergreifend aufblitzen. Im ersten Teil wird in Kleidern, im zweiten in Anzügen getanzt – schon das löst Gendergrenzen auf.
Im klinisch klaren Bühnenraum lenkt nichts ab von Tanz und Musik, Lichteffekte (Martin Stevens) und Kostüme (Min Li) intensivieren die Atmosphäre. Die großartigen Koloraturarien des Countertenors Philippe Jaroussky ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2020
Rubrik: Kritik, Seite 40
von Michaela Schabel
Bei Männern kennt Myrtha bekanntlich kein Pardon. Welches Mannsbild sich auch immer in den Wald wagt, es wird von ihren Wilis zu Tode getanzt. Gnadenlos. Eiskalt führt Elisa Carrillo Cabrera in der Deutschen Oper Berlin ihre weißen mörderischen Frauen an, auf dass sie Hilarion, diesem Dummkopf, den Rest von Atem nehmen. Unberührt, entrückt schaut sie ins Publikum,...
«Solidaritot | Solidarność» heißt das Stück des Polnischen Tanztheaters, beheimatet in Posen, 270 Kilometer von Berlin entfernt. Die dreizehnköpfige Truppe verarbeitet darin ihre sehr persönlichen Erfahrungen in einem katholischen Land, in dem Geistliche ihren Schützlingen gelegentlich zu nahe treten und Kneipen sich zu «gay-free zones» erklären.
«Polen ist ein...
Später, nach der Aufführung, als die jugendlichen Zuschauer gemeinsam mit den Performern auf dem Boden sitzen und über das Stück reden, stellt eine Tänzerin eine Porzellanschale mit Mehlwürmern in die Mitte. Und präsentiert damit das Objekt, mit dem sie persönlich Sex assoziiert. Eine Mischung aus Faszination und Freude, aus Neugier und Schaudern strahle es für sie...
