Reece Clark als Dr. Pozzi in «Strapless» von Christopher Wheeldon, Foto: Bill Cooper
Reece Clarke
Auffallend groß gewachsen ist er, attraktiv und gut gebaut dazu: Reece Clarke, First Artist beim Londoner Royal Ballet, bekommt in letzter Zeit vermehrt Klassiker-Hauptrollen anvertraut. Er verströmt eine Aura der Souveränität, wie sie Menschen seiner Körpergröße nicht selten von Natur aus mitbringen. Auf der Bühne ist er in der Regel mühelos auszumachen.
Im schottischen Airdrie aufgewachsen, besuchte Clarke ab 2006 White Lodge, die Lower Ballet School des Royal Ballet, wo – kaum zu glauben – bereits seine drei älteren Brüder unterrichtet wurden. Mittlerweile folgt bei Clarke ein interessantes Rollengebot auf das nächste. Nachdem er in Kenneth MacMillans «Anastasia» einen Offizier verkörpert und Rollen in Wayne McGregors «Obsidian Tear» und «Carbon Life» getanzt hatte, gab er den erotisch ambivalenten Dr. Samuel-Jean Pozzi in Christopher Wheeldons Einakter «Strapless» – umwerfend gutaussehend im roten Bademantel, dem berühmten Gemälde von John Singer Sargent nachempfunden. Danach war er Zenaida Yanowskys Partner in «After the Rain», ebenfalls von Wheeldon. Schließlich folgten die Prinzenrollen in «Nutcracker» und «The Sleeping Beauty». Clarke rückte noch stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit, als er im zurückliegenden Jahr den «Critics‘ Circle National Dance Award» in der Kategorie «Nachwuchskünstler» erhielt.
Ihn im Studio bei der Arbeit an Charlotte Edmonds’ Choreografie «Meta» zu beobachten, war ungemein interessant. Clarke ist ein ruhiger, konzentrierter Tänzer, physisch noch nicht ganz vollkommen und als Partner, man könnte sagen: ein work-in-progress, freilich mit beachtlichem Potenzial. Zumal das Royal Ballet über einige grundsolide, hoch gewachsene Tänzer verfügt, von denen die größten nicht unbedingt die temperamentvollsten und technisch brillantesten sind. Umso günstiger die Voraussetzungen für Reece Clarke, sich als zukünftiger Star-Tänzer zu profilieren.
Aus dem Englischen von Marc Staudacher
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 170
von Mike Dixon
«Cock, Cock.. Who‘s There» hieß die Performance, mit der die finnisch-ägyptische Künstlerin Samira Elagoz 2016 ihre Ausbildung an der Amsterdam School for New Dance Development abschloss und für deren beeindruckende Mischung aus Kreativität, Selbstwertgefühl, Originalität und Leidenschaft sie denn auch gleich das eigens auf Abschlussproduktionen zugeschnittene «André Veltkamp...
Warum gehören Cecilia Bengolea und François Chaignaud hierher, die doch frech alles an Tanzstilen zusammenrühren, was auf Straßen und in Clubs nicht bei drei in der Versenkung verschwunden ist? Genau deshalb, weil das im französischen Lyon beheimatete Choreografenduo einfallsreich durcheinander mixt, was scheinbar gar nicht zusammengehören kann – und weil die beiden einen daran erinnern,...
Ich kann die Frage nach der Zukunft des Tanzes leider nicht beantworten. Ich kenne sie nicht – und vor allem verändert sich nur das, was außerhalb von uns selbst liegt und Gegenwart ist. Das allerdings verändert sich rapide, die menschliche Psyche und ihre Bedürfnisse werden wohl kaum damit Schritt halten können. Natürlich verändert sich auch der Mensch – indem er etwa das Leise verlernt...
