Rachid Ouramdane: «Exposition universelle»
Es ist eine alte Frage: Soll man vor der Vorstellung den Programmzettel lesen oder unbefangen an das Werk herangehen? In der Regel gilt Letzteres, doch es gibt Ausnahmen. Rachid Ouramdane wollte beim «Festival d'Avignon» klare Verhältnisse schaffen und ließ die Gebrauchsanweisung für «Exposition universelle» hinterher verteilen. Das war richtig. Sonst hätte das Publikum wohl mehr Zeit darauf verwendet, die komplexen Erläuterungen zu lesen, als auf den Versuch geschaut, die Körperbilder zu entschlüsseln.
Aber es schuf auch ein Problem, denn diese «Weltausstellung» ist tatsächlich eine Art Abfolge von Exponaten, die sich nicht von selbst entschlüsseln.
Ouramdane macht keine Tanzstücke, sondern, wie er selbst definiert, «Collagen» aus Objekten, Körpern, Bildern, Licht und Ton. Wenn er hier plötzlich eine Stepptanz-Nummer hinlegt, dann bemängeln manche Zuschauer, er sei nun mal kein Fred Astaire. Klar ist aber auch, dass Ouramdane seine Bezugspunkte auf ganz anderen Ebenen setzt. Nur wo? In seinen letzten Produktionen ging es immer um intime Erfahrungen von Gewalt im weltpolitischen Spannungsfeld, dargestellt etwa an Interviews persönlich Betroffener. In «Exposition universelle» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
Kaori Ito war im Kontext von Alain Platels «Out of Context» diejenige Frau, die vorn an der Rampe wie ein Rumpelstilzchen krampfhaft ihre Gelenkigkeit zur Schau stellte. Auf einem Bein stehend, das andere schön senkrecht hoch gestreckt und mit der Hand ans Ohr gedrückt. Die richtig blöde Körpershow, mit der die Tänzerschar im Angesicht des Publikums eine Art...
Dass Sie Tänzer waren, jahrelang an der Deutschen Staatsoper im damaligen Ostteil Berlins, ist bekannt. Sie waren so etwas wie ein Kinderstar. Auf eigenen Wunsch? Oder auf Druck der Eltern?
Weder noch. Die Zeiten waren damals anders und die Eltern froh, wenn sie ihre Kinder nicht auf der Straße wussten. Alles war zerbombt. Riesengroße Bunker standen überall: Das...
«Wir sind fünf Tänzer, die schon lange mit der Idee spielen, selbst eine Produktion auf die Beine zu stellen und zu vermarkten. Bisher sind aber unsere Ideen nicht umgesetzt worden, weil wir uns schon aus finanziellen Gründen scheuen, eine GmbH oder etwas ähnliches zu gründen. Wir wollen miteinander kreativ sein, haben aber das Gefühl, dass wir irgendwie etwas...
