Physisches Denken
Wir treffen uns im Barbican, Londons architektonisch markantestem Kulturzentrum. Obwohl Daniela Neugebauers androgyne Oversize-Klamotten aufs Verschwinden ausgelegt scheinen, sticht sie mit ihrem pink gebleichten Haar sofort ins Auge. Wir tragen unsere Teetassen in eine stille Ecke irgendwo tief im Bauch des bruitistischen Ungeheuers, das wir beide sehr schätzen. Der letzte «antikapitalistische Ort» im Bankenviertel, sagt Daniela. Sie gibt ihre Antworten ernsthaft, umsichtig, bedacht, dabei zugewandt – eine Frau, die sich einlässt.
Geboren in der Schweiz, hat sie in Basel bei Cathy Sharp gelernt, an der Schule des Hamburg Ballett und bei Codarts in Rotterdam studiert. Danach hat sie sich vielfältig ausprobiert: mit Engagements am Ballet Gulbenkian, bei Dance Works Rotterdam und Auftritten in Werken von Paulo Ribeiro, Ton Simons, Marie Chouinard, Stephen Petronio, Dana Caspersen – um nur ein paar zu nennen. Aber ihr wahres Kunst-Potenzial hat sie vielleicht erst beim Guru des Rasanz-Tanzes entdeckt: bei Wayne McGregor.
Daniela Neugebauer, was hat Sie 2010 bewogen, sich bei Wayne McGregor zu bewerben?
Seine Kompanie arbeitet ja auf sehr spezielle Weise. Als ich auf die Audition für ...
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Tanz April 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Wiebke Rolof
Einer der am häufigsten zitierten Aussprüche von George Balanchine lautet: «Ballet is Woman». Noch 2016 schien der seinerzeit amtierende Chef des von Balanchine gegründeten New York City Ballet -(NYCB), Peter Martins (tanz 2/18), diese Auffassung in einem Interview mit der «New York Times» zu bestätigen: «Ich habe mich mein ganzes Leben lang in einer Frauenwelt...
Vierzig Jahre alt und doch so jung wie am ersten Tag: 1978 von Jirí Kylián unter dem Namen «Springplank» als Sprungbrett für den tänzerischen Nachwuchs gegründet, hat sich Nederlands Dans Theater 2 im Lauf der Zeit nicht nur zu einer Konkurrenz im eigenen Haus gemausert. Sich ständig erneuernd, ist das Ensemble zu einem Vorbild für so viele Junior-Kompanien...
Das kann in einer kleinen Kompanie schon mal passieren: Chefchoreografin Annett Göhre muss selbst auf die Bühne, für eine Tänzerin einspringen. In einer Inszenierung, die dem Publikum das Tänzer-Leben pur und ohne Lack verabreicht. Göhre teilt sich die Rolle der Marlene mit zwei weiteren Kolleginnen, Schauplatz ihrer Geschichte ist ein fiktives Stadttheater mit...
