Oldenburg: Luca Veggetti, Antoine Jully «Am Ende unser Schatten»/«Le sacre du printemps»
Bloß kein Handlungsballett. Luca Veggetti choreografiert zwar zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung «Pelleas und Melisande», die auf Maurice Maeterlincks symbolistischem Schauspiel basiert. Selbst den Titel «Am Ende unser Schatten» entnimmt er der dramatischen Vorlage, aber die handlungstragende Dreiecksbeziehung ist in die Abstraktion verschoben. Minimalistische Bewegungsmuster, Spiegel, glänzende Stäbe prägen die Uraufführung am Staatstheater Oldenburg. Maeterlincks drei Liebende sind gedoppelt.
Das sieht erst schick aus, entpuppt sich aber als Kunstgewerbe, mit dem sich die Tänzer sichtlich schwertun. Die statischen Bilder, die Zirkelbewegungen, die Anklänge ans Maschinentheater sind vor allem Annäherung an eine Moderne, die hier eher grobes Zitat ist als zwingender künstlerischer Ausdruck. Überdies steht sie im Widerspruch zur spätromantisch inspirierten Komposition des frühen Schönberg, die das Oldenburgische Staatsorchester unter Leitung Vito Cristofaros als vollen Breitwandsound erklingen lässt.
Bisweilen zieht die Choreografie tatsächlich einen Mehrwert aus ihrem Formalismus, so bei einer Liebesszene, die Caetana Silva Dias und Herick Moreira als Schattentheater ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Kritik, Seite 36
von Falk Schreiber
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