nürnberg: goyo montero «faust»
Eine Tanzsuite wäre bestimmt die bessere Lösung gewesen als dieses zweistündige, kaum mehr entschlüsselbare Kondensat eifrigster Lektüre. Goyo Monteros Tanzstück «Faust» sucht reichlich unentschlossen danach, was es eigentlich erzählen will: die «Sympathy for the Devil».
Montero, 1975 im Uraufführungsjahr von Maurice Béjarts bemerkenswertem «Notre Faust» in Madrid geboren, ehemals Tänzer von internationalem Renommee und seit 2008 Ballettdirektor und Chefchoreograf in Nürnberg, beschäftigte sich bereits in «Don Juan» mit Tod und Teufel – und unternahm damit eine durchaus eigenständige «Faust»-Vorarbeit.
Der Spanier hat seine Teufels-Figuren in drei verschiedenen Quellen gefunden. Er nahm den Mephisto aus Goethes «Faust», den Meister und den abgründigen Voland aus Mikhail Bulgakows «Der Meister und Margarita», schließlich die Künstlerfigur Adrian Leverkühn aus Thomas Manns «Doktor Faustus». Monteros schwarz bemützter Mephisto wirkt wie ein Gründgens-Wiedergänger – und ist doch eine Frau: die herbe Julia Bartolome. Ihr fällt der Sprechpart zu. Den Faust verkörpert der Tänzer Carlos Lázaro. Er trägt Glatze und offenbar schwer am Leben. So steht er über einen Glaskasten gebeugt. Daraus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2013
Rubrik: kalender, Seite 44
von Eva-Elisabeth Fischer
Als sie ihren ersten Wettbewerb gewann, war das eine völlige Überraschung: «Preise oder Geld hatte ich noch nie gewonnen, auch nicht beim Lotto». Fang-Yu Shen hat den Schalk im Nacken. Der geistert auch durch ihre Choreografien, die luftig-melancholische Gespinste herstellen; da flackert, flattert, taumelt plötzlich etwas, hält unvermutet an, dreht ab.
Fang-Yu Shen...
«Also, ich muss sagen, ich liebe Viktor Orbán», oder «Wer mich angreift, greift Gott an» – zwei Sätze, die der ungarische Choreograf Iván Markó kürzlich in verschiedenen Fernsehsendungen von sich gab, zum Erstaunen der anwesenden Künstlerkollegen. Im September 2012 hatte die Tänzer-Gemeinde einen offenen Brief zur Causa Markó an Premierminister Orbán geschickt: 40...
«Es gibt keine Schwägerinnen im Ballett», lautet Balanchines berühmtes Diktum, wie will Ballett dann die Käuflichkeit von Moral darstellen? Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie scheint vollkommen auf der Sprache zu beruhen: Mit der Aussicht auf Reichtum treibt die Millionärin Claire Zachanassian die braven Bürger ihres Heimatdorfs Güllen zum Mord an ihrem...
