Nicht ohne meinen Vater!

Hartmut Regitz im Gespräch mit Anna Markard über den «Grünen Tisch», über Notation und vergessene Werke

Tanz - Logo

Sie gelten als Lordsiegelbewahrerin Ihres Vaters. Ihrer Initiative ist es letztlich zu verdanken, dass nicht nur der «Grüne Tisch» der Nachwelt so authentisch wie möglich erhalten worden ist, sondern auch so frühe Stücke von Kurt Jooss wie die «Pavane auf den Tod einer Infantin», wie «Großstadt» und «Ein Ball in Alt-­Wien». Trotzdem ist Ihre Rolle eigentlich ungewöhnlich: Sie studieren zwar die Werke Ihres Vaters ein, haben sie aber selber nie getanzt.                                   Aber ich habe all diese Stücke miterlebt.

Und das sitzt – ich weiß nicht wo. Auch wenn ich nicht im Ballettsaal groß geworden bin, habe ich viel aufgenommen. Ich fühlte mich vor dreißig Jahren, als wir all die Werke rekonstruierten, absolut zu Hause im Œuvre meines Vaters. Ich musste meine Erinnerung lediglich auffrischen. Aber wir hatten die Aufzeichnungen, von denen später noch die Rede ist. Wir hatten einige der ehemaligen Solisten, im Fall von «Ein Ball in Alt-Wien» sogar noch das Glück eines Filmdokuments. Apropos «Ein Ball in Alt-Wien»: In der Folkwang-Schule gab es ein Fach, das sich «Tanzform» nannte, in dem sich meine Eltern Ende der zwanziger Jahren mit großer Freude mit Gesellschaftstänzen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2005
Rubrik: Forgotten Memories, Seite 56
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Riki von Falken: «Begegnung zwischen Ungleichen»

Riki von Falken braucht auch für ihre Begegnung zwischen «Ungleichen» einen heiligen Hain, eine Art Todeszone aus höchstmöglicher Ordnung, beschwörender Stille, gefüllt mit Klängen von Ligeti und Cage. Tennisplatzgroß ist die Halle im ersten Stock der nunmehr alten Akademie der Künste in Berlin. Der halbseitig gelähmte Tim Petersen stößt wie ein Elefant ins...

Thomas Guggi: «Familienalbum»

Nicht jedes Projekt lässt sich am grünen Tisch planen, und manchmal macht einfach ein unterschiedliches Procedere das schönste Experiment am Ende zunichte. Einmal pro Saison praktizieren Vertreter der freien Szene und das BallettVorpommern innerhalb der so genannten TanZZeit eine Kooperation, von der alle Beteiligten nur profitieren können, wie das...

Ein Memorial

Kein Ballettabend wie jeder andere – und doch eine Vorstellung, wie sie auch einem Uwe Scholz hätte einfallen können. «Für Uwe Scholz» heißt das Gala-Programm, das ein nicht mehr realisiertes Richard-Wagner-Projekt ersetzt – und alle, alle kamen, die ihn ein Stück seines Wegs begleitet ­haben: Ehemalige Stuttgarter wie Mark McClain und Beatriz de Almeida, die...