Newcomer, Abschied, Snippets 6/18
Newcomer: Agata Siniarska
Eine gute Schauspielerin kann auf Kommando weinen und echte Tränen vergießen. Man sagt diesem Beruf deshalb nach, er würde die Echtheit der Gefühle ruinieren. Auch das Klageweib ist ein Beruf, zumal in Afrika. Dort weiß jeder, dass Weinen und Schluchzen, mit viel körperlicher Übung erzeugt, ansteckend wirkt. Es bedarf dazu nur einiger Atem-Koordination und präziser Muskelkontraktion, Mittel, die sich dem Tanz zuschreiben lassen.
Agata Siniarska aus Polen und ihre Partnerin Mădălina Dan aus Rumänien haben es darin zu einiger Meisterschaft gebracht. Für ihr Stück «Mothers of Steel» jammern, schluchzen und röcheln die beiden mit so hinreißender Ausdauer und Virtuosität, dass es auf kleinstem Raum verstörend wirkt, auf großer Bühne aber auch zum Lachen reizt. Dabei ist ihr Thema ernst: Es geht, wie der Titel sagt, um ihre Mütter, die nach Stalins Tod aus den Fabriken, wo sie als Arbeiterinnen einen Moment der Emanzipation erlebten, zurück in die dörfliche Enge getrieben wurden, ohne Ausbildung, ohne Reisefreiheit, weit weg von Frauenrechten. «Sie haben gelitten», sagt Siniarska und klagt, dass das Bild der Frau im Kommunismus bis heute geschönt werde. Auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2018
Rubrik: Menschen, Seite 32
von
Du meine Güte, wie konnte das bloß passieren? Wie konnte der Herr Papa bloß an diese neue Gattin geraten? Riesengroß, schwarz, mit muskulösen Beinen unterm gerüschten Minirock und launisch wie das Aprilwetter – eine Sekunde zärtlich, die nächste brutal. Cinderellas Stiefmutter ist eine kerlige Carmen. Genauer: Sie ist ein Kerl. Der größte Tänzer der Kompanie, der...
Raum ist in der kleinsten Hütte. Aber so klein ist die SCALA am Ende gar nicht, wo nicht wenige Veranstaltungen des Festivals «PODIUM Esslingen» stattfinden. Dass es sich dabei um ein ehemaliges Kino handelt, ist nicht zu übersehen. Die Wände sind mit roter Seide bespannt. Die Seitenbeleuchtung stammt noch aus früheren Zeiten. Im Treppenaufgang lassen...
Salzburg: Sommerszene
Fremdling, kommst du nach Salzburg, lass dich führen von Julius Deutschbauer, einem professionellen Fallensteller, und verführen vom Performancekollektiv gold extra, das dich in einem Bus ohne Aussicht durch die auf Salz und Gold gebaute Stadt fahren wird. Abends begeht das hiesig ansässige SEAD mit «100 invasions … bodies matter» und 100...
