neu und alt
waren sich ein gefühltes Jahrhundert lang so spinnefeind, dass man säuberlich die Klassik von der Moderne absetzte. Als die Moderne dann selbst Traditionsfett ansetzte, musste das Zeitgenössische her. So waren sie zu dritt – und begannen sich zu kreuzen, neuartige Hybride zu bilden. Man hätte den Flamenco demnach leicht mit Begriffen wie Retro-, Original-, Future-, Post- oder Tribal verlängern können.
Doch die Generation um Belén Maya stampfte ihren Zapateado und fragt jetzt auf Seite 18 schlicht: «Warum darf man nicht einfach tanzen?» Was soll das ganze Getue um Alt und Neu? Wir haben beides, wir mögen beides, wir tanzen beides.
Das Rezept kennt das Bayerische Staatsballett schon seit 1989: Seither gibt es dort eine Frau fürs Neue, Bettina Wagner-Bergelt. Kurz darauf kam der Herr fürs Historische. Wolfgang Oberender erzählt ab Seite 56 mit Lust von der gar nicht so absurden Koexistenz von Cunningham und «Le Corsaire». Und von Schätzen in den streng gehüteten Tresoren der Sankt Petersburger Tanzarchive, an die kaum jemand mehr he-rankommt. Dabei ermöglicht das, was dort lagert, genauso reizvolle Inszenierungen, wie sie die Münchner Neuland-Eroberer vollbringen.
Richard Siegal zum ...
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Tanz Dezember 2014
Rubrik: editorial, Seite 1
von
Wie ein Windstoß stürmt Gianni Cuccaro über die Bühne, alle Einwände hinwegfegend: ein Schwadroneur im Norwegerpulli, der sich in seiner Muttersprache in das eigene Luftschloss versteigt. Ihm folgen kann da eigentlich nur die Aase der Alice Baccile, wie der Bielefelder Peer aus Italien stammend. Deutschtümelnd treiben ihn die anderen Ensemblemitglieder des...
bildbiografie_________
jürgen rose
Oft kopiert, nie erreicht: Überall auf der Welt wird John Crankos «Onegin» gezeigt, aber in den seltensten Fällen sieht man ihn im Dekor und in der Kostümierung von Jürgen Rose, der seinerzeit dem Choreografen an die Hand ging. Und deshalb weiß, wie das Ballett eigentlich ausschauen soll. Wenn eine Tatjana wie Alina Cojocaru...
Dieser Abend hebt zwar ästhetisch noch nicht ab, trotzdem stimmt die Richtung hoffnungsfroh: Tim Plegge, Richard Siegal und Alexander Ekman schieben das neu gegründete Hessische Staatsballett in den «Aufwind». Alle drei Choreografen geben den Tänzern handfeste Requisiten mit, als ob das Ballett noch ein Geländer bräuchte beim Abfliegen und Aufflattern. Der junge...
