Natalia Ossipova
Die junge Natalia Ossipova gehört zu denen, über die man spricht, über die man streitet. Man kann sie lieben oder auch nicht, aber man kann nicht umhin, sie zu bemerken.
Der Bühnenauftritt dieser nicht großen und dem allgemeinen Typ der Ballerina nicht entsprechenden Tänzerin ist buchstäblich wie der Flug eines hellen Kometen, sei es in der Variation der spanischen Braut («Schwanensee» von Yuri Grigorovich), in den fast cancanhaft getanzten, energischen fouettés und jetés en tournant in Massines «Gaîté parisienne» oder den Sprungvariationen im Schatten-Akt aus «La Bayadère» und «Don Quixote». Ihre kleinen Soli verdrängen die Pas de deux der führenden großen Ballerinen, ihre gewaltige Sprungkraft weckte die Konkurrenzgefühle männlicher Solisten, und ihre technische Versiertheit und verwegene Tanzmanier erstaunen die zeitgenössischen Choreografen. Ballettchef Alexei Ratmanski weiß sie zu schätzen und holte die Ossipova in seine Version von Strawinskys «Jeu de cartes» und in Ravels «Boléro». Denn mit diesem sehr musikalischen (was heute eine Seltenheit ist), sehr virtuosen («Sie dreht sich wie ein Teufel», sagte ihre Lehrerin schon in der Akademie) Energiebündel kommt in die toten, manchmal langweiligen klassischen Ballette der Nerv und Rhythmus des heutigen Lebens, etwas Lebendiges und Elementares, mit dem die Moskauer Ballerinen, angefangen mit Olga Lepeshinskaya, die Zuschauer hypnotisieren. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frédéric Flamand, Sie schwören auf Architekten, die Ihnen Bühnenräume entwerfen. Woher stammt Ihre Vorliebe für die Baukunst? Meine besondere Beziehung zum Raum entstand lang, bevor ich begann, mit Architekten zu arbeiten. Wir schufen in Brüssel eine der ersten experimentellen Theaterkompanien...
Rosalie
Die Bewegung des Tänzers ist raumfüllend, zugleich muss der Raum dem Tänzer maximale Freiheit ermöglichen: heißt hier, dass immer auch etwas anderes bewegt und berührt werden soll – grenzüberschreitend – erweiternd – beflügelnd.
(Ist Grenzenlosigkeit identisch mit Freiheit?)
Raum ist Fantasieraum, ist geistiger Raum, ist Innenraum = Aussenraum
Raum, Bewegung...
Was waren deine frühsten Bühnenerfahrungen? Das erste waren die Erzählungen meiner Eltern, die sich Ende der Sechziger «Hair» angesehen haben, und die ganze Diskussion um «Oh Kalkutta» und Nackte auf der Bühne. Mit 13, 14 Jahren, also 1971/72, war ich in Stuttgart das erste Mal bewusst im Theater. Das war...
