Julian Weber in «something i can't pronounce», Foto: Alexandra Faust
Nach Nippon
Für den Residenzaufenthalt im Goethe-Institut Kyoto ist es Bedingung, dass man sich mit einem auf Japan bezogenen Projekt bewirbt. Ich schlug vor, die traditionelle japanische Teezeremonie näher zu betrachten, die mir erstmals vor Jahren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem begegnet war und deren choreografische und skulpturale Aspekte mich sehr fasziniert hatten – Disziplinen, in denen ich mich künstlerisch auch sonst bewege. In ihrer Ästhetik und altertümlichen Strenge war mir die Zeremonie äußert fremd.
Durch den minimalistischen Ansatz und den ganzheitlichen Anspruch, der neben der Teezubereitung auch Architektur, Kostüm, Bewegungsabläufe, Ikebana (Kunst des Blumensteckens), Wagashi (Kunst der Süßwarenzubereitung) und Kalligrafie einbezieht, wirkte das Ritual zugleich sehr zeitgenössisch.
Exotische Exotik
Ohne die Rahmung durch die dreimonatige Residenz des Goethe-Instituts hätte ich mich wohl nie so explizit mit der Tradition dieser fremden Kultur auseinandergesetzt. Was mich anfangs sehr forderte, war die Problematik der kulturellen Aneignung. Wie kann ich respektvoll mit einer fremden Tradition umgehen, wie einen spielerischen Zugang zum Material etablieren und es ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 84
von Julian Weber
Frauen sagen, wenn Frauen alt werden, werden sie Kuh oder Ziege, werden Schwergewicht oder Gerippe. Die Dicken, also die Kühe, heißt es, tragen ihre Bürde selbstverschuldet durch Völlerei und Faulheit. Die Dicken, sagen die Ärzte, leben nicht ganz so viele Tage. Die Industrie rückt dem Dicksein mit Fitnessarmband und Schlankheitspulver zu Leibe. Die Dünnen lässt...
Visionen sind toll. Doch irgendwann müssen sie konkrete Form annehmen. John Cranko, Direktor des Stuttgarter Balletts, wusste das wie kein anderer und verkämpfte sich zäh für eine eigene Ballettschule: Nur mit einer eigenen Ausbildungsstätte ließ sich der Traum von einer unverwechselbaren Kompanie realisieren. So wurde die 1971 von ihm gegründete Schule in...
Die Linie, die Diagonale, die Kurve, der Winkel. Deren Kraft und Poesie betont der italienische Choreograf. Reichert sie an, indem er Körper wie kantige Gebilde in das Geflecht der Linien stößt oder mit sanftem Pulsen deren Richtungsdrängen hemmt. Dabei gibt er Zeit: Die Reihen seitlich gelagerter, skulptural arrangierter Tänzer und Tänzerinnen, mit denen sein in...
