mont-de-marsan on tour
Die Person der Carmen und damit auch die literarische Vorlage von Prosper Mérimée haben eine Vielzahl von Künstlern verschiedenster Sparten inspiriert, von Malern, Schriftstellern und Modeschöpfern bis hin zu Choreografen und Filmregisseuren. Fast bei allen geht es um die verführerische und unbezähmbare Figur der Gitana, die am Ende sterben muss, eben weil sie sich nicht fügen will.
Nicht so bei María Pagés. Der Text von Merimée ist nur mehr ein Zitat, die Handlung spielt im Hier und Jetzt, und die Erotik wird durch Ironie ersetzt.
Ein feministischer Blick auf die leidenschaftliche Kunstfigur? Wahrscheinlich, aber kein bitterer, eher ein weiser. Das gesprochene Wort steht am Beginn, rezitiert von verschiedenen Schriftstellerinnen wie Akiko Yosano, Margaret Atwood und Marguerite Yourcenar aus dem Off, getanzt von den hervorragenden jungen Tänzerinnen der Kompanie. Die beiden männlichen Tänzer sind, obwohl sehr gut, eigentlich Randfiguren, die nur für einen kurzen Moment glänzen können.
Die Musiker bleiben fast bis zum Ende hinter einem Gazevorhang versteckt, denn im Mittelpunkt des Geschehens steht die Frau – mit all ihren Facetten und den Rollen, die sie erfüllt. María Pagés ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Susanne Zellinger
In der «Geschichte vom Soldaten» lässt der Teufel die Flammen züngeln, und im «Feuervogel» entfacht Sidi Larbi Cherkaoui anschließend einen solchen Bühnenzauber, dass man fast um das Theater fürchtet. Ein Regenguss wäre da mehr als willkommen. Den hat es allerdings schon im Anfangsbeitrag von Marco Goecke gegeben, der nicht nur aus Qualitätsgründen an das Ende...
screening_________
merce cunningham
Knallende Türen, empörte Zuschauer: Noch 2011 machte die Merce Cunningham Dance Company auf ihrer Abschiedstournee die Erfahrung, dass die Kunst ihres zwei Jahre zuvor verstorbenen Gründervaters manche Besucher überforderte. Der Doyen der US-Tanzmoderne war seiner Zeit ein gutes Stück voraus und hat mittels präziser...
Das Thema der Hochzeit wird in der neuen Ballettpremiere im Linzer Musiktheater aus zwei Perspektiven beleuchtet. Zwei Choreografinnen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Tanzsprachen beschäftigen sich damit. Die Koreanerin Hea-Kyung Lee beruft sich in «Mae» auf eine überlieferte Geschichte, und zwar die des Thronfolgers einer alten Dynastie,...
