Marzipanfiguren auf einer Hochzeitstorte
Sie stehen da wie Marzipanfiguren auf einer Hochzeitstorte, Marie in cremefarbenem Negligé und Hugo in biederem Anzug, die beiden Hauptpersonen in Mei Hong Lins Übersetzung von Georges Rodenbachs Roman «Bruges-la-Morte». Statt von einer Torte wird das Paar von einer hügeligen Landschaft aus schwarzem Tüll umgeben, viel Nebel und weiße Lilien – Symbol der Reinheit, Schönheit und des Todes. Michael Erhard hat für seine Komposition eine berührende Form gefunden und mit Cello, Saxofon und Klavier den Abend musikalisch sehr gut getroffen.
Da trauert der Witwer Hugo um seine Frau Marie, zieht nach Brügge, einer Stadt, in der es immer neblig ist. Dort kann er seine Melancholie am besten ausleben. Hier trifft er auf die Tänzerin Mariette, in der er seine verstorbene Ehefrau erblickt. In der lebenden Mariette liebt er die tote Marie. So was kann nicht gut gehen.
Ballettdirektorin Mei Hong Lin – als eine der wenigen Frauen in dieser Position an deutschsprachigen Theatern – versucht eine choreografische Annäherung an die Geisteshaltung des Fin de siècle. «Das tote Brügge» gehört zum Opus von Verfall und Niedergang. Auch der Titel «Schwanengesang» stammt aus dem Roman: «Ja, der Schwan hat ...
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