mainz: Pascal Touzeau: «Cinderella»

Tanz - Logo

Er werde seiner «Cinderella» ein «Story-Lifting» verpassen, versprach der Mainzer Ballettchef Pascal Touzeau. Versprechen gehalten. Seine Neuinszenierung des Märchens vom Aschenputtel, das mit der garstigen Stiefmutter und deren fiesen Töchtern zusammenlebt, ist mehr als nur ein lauwarmer, publikumswirksamer Aufguss der Story.

Es gibt keine blumigen Feen, keine kitschige Kürbiskutsche. Stattdessen: Einige gute Geister und durchsichtige Stellwände auf Rollen, die sich durch den Raum schieben lassen. Das Publikum beobachtet das Geschehen wie in einer Arena von allen Seiten.

Als «Hauptgeist» tanzt Cristina Allyón Panavera die verstorbene Mutter. Sie steht Cinderella mit ihren Hilfsgeistern bei, wann immer möglich, und lenkt als Leitfigur konsequent das Geschehen. Zum Brüllen komisch und absurdes Ballett par excellence: das Trio Infernale mit Christian Bauch als Stiefmutter im Zentrum. Mit schlaksig verdrehten Bewegungen und unglaublicher Mimik provoziert er zu Prokofjews Ohrwürmern Publikumslacher in Serie, etwa wenn er versucht, seine riesigen Füße in winzige Ballettschläppchen zu quetschen und schließlich, gestützt von den völlig überdrehten Töchtern, darin herumstolziert wie ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 39
von Natali Kurth

Weitere Beiträge
göteborg: Andros Zins-Browne: «Lac of Signs»

Mit seinem neuen Stück «Lac of Signs» stiftet der in Brüssel lebende amerikanische Choreograf Andros Zins-Browne gleich in mehrfacher Hinsicht Verwirrung: Die Zuschauer lernen die Performerin Chrysa Parkinson aufs Intimste kennen – scheinbar. Der Stücktitel, unverkennbar ein Wortspiel, erschließt sich – scheinbar.

Die direkte phonetische Übertragung des...

finale mit tiepolo

Auf dieser Treppe standen die beiden Männer, Seite an Seite vielleicht, den Kopf in den Nacken gelegt, und schauten hinauf in den von Künstlerhand bestirnten Himmel. Nicht irgendwer hat diesen allegorischen Kosmos bestückt, sondern ein Titan des Spätbarock, dessen Handschrift ihnen zweifellos vertraut war. Sie müssen Giovanni Battista Tiepolos Gemälden schon in...

valérie castan

In Lourdes sprudelt angeblich Heilwasser aus einer Quelle. Blinde waschen sich damit die Augen, in der Hoffnung auf Spontanheilung. Statt einer Pilgerfahrt empfiehlt Valérie Castan indes: den Gang ins Theater. Denn dort können Blinde eine Tanzaufführung «sehen», ja sie machen unter Umständen eine intensivere Erfahrung als Menschen mit aktiver Iris. Castan,...