Leverkusen
Als Tänzer tritt er heute nur noch wohldosiert in Erscheinung. Der Bühne bleibt er dennoch treu. Mikhail Baryshnikov widmet seine beeindruckende Erfahrung als Performer inzwischen vornehmlich anderen Projekten – aktuell zu Ehren seines Freundes, des exilierten russischen Dichters Joseph Brodsky, der 1996 verstarb.
Für die Produktion «Brodsky/Baryshnikov», in Szene gesetzt von Regisseur Alvis Hermanis, nennt das Programmheft keinen Choreografen.
Es ist Baryshnikov selbst, der Brodskys dichte Sprache, seinen unerschrockenen Blick in die Untiefen des menschlichen Daseins in Bewegung überführt. Über die Körpersprache des Stücks befragt, äußerte sich Hermanis in «The Paris Review»: «Das alles ist nicht festgelegt – jeder Abend verläuft geringfügig anders ... Es geht nicht um die Möglichkeit, sondern um die Unmöglichkeit des Tanzes.»
Dabei ist es für Misha unmöglich, nicht zu tanzen. Auch wenn er einen Mann darstellt, der sich dem Ende seines (düsteren) Lebens nähert, dringt er mittels Bewegung zum Kern seines Sujets vor. Über weite Teile des Stücks sitzt er auf einer Bank und liest, grübelt, sinniert. Hinter der Bank bildet eine aus dem 19. Jahrhundert herübergerettete Veranda den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 36
von Wendy Perron
Goyo Montero, gerade läuft eine Audition am Staatsballett Nürnberg. Wie viele Tänzer haben sich beworben? Knapp 300 haben uns geschrieben, 100 habe ich eingeladen. Das bedeutet, wir haben für zwei Positionen fast 300 Videos gesichtet und die Lebensläufe gelesen, um zu sehen, ob diese Leute für unsere Kompanie funktionieren könnten.
Was machen die 200 Leute falsch,...
Ein heulendes Häuflein Elend kauert da in der Ecke. Die private Kamera dokumentiert diesen wie so viele andere, glückliche und unglückliche Momente. Hier ist es die Mutter, die Tränen vergießt, weil sie den gerade mal 13-Jährigen verlassen muss. Das Ausnahmetalent wird allein in London bleiben, an der Royal Ballet School auf Anhieb drei Klassen überspringen, später...
Die Zeiten haben sich geändert. Die Holzstühle und -tische, Wahrzeichen des deutschen Tanztheaters, sind aus dem Café Müller verschwunden. Ebenso die gläserne Drehtür, durch die man die rothaarige Frau im Geiste noch hereinstöckeln sieht. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw lümmeln sich die Paare in weißen Gartenstühlen. Eine Wand im Hintergrund trägt...
