kunst der masse

Community Dance heißt: gleichzeitig Kunst machen und Kunst ansehen, ein Teil von ihr werden. Bei Joanne Leighton verschmelzen 99 Körper und ein Publikum zum Gesamtkunstwerk.

Tanz - Logo

Wo liegt die Nahtstelle, an der Choreografie in Tanz übergeht? Gibt es sie überhaupt? Und wenn ja, welche Farbe hat sie? Joanne Leighton versucht es mit rotem Klebeband. Im Straßburger Musée d’Art Moderne et Contemporain markiert sie damit vier Linien, die das Publikum bitte nicht überschreiten möge. Täte es dies, so würde es nicht nur die Bewegungsfreiheit der 99 Mitwirkenden einengen. Es entstünde Konfusion. Niemand könnte mehr unterscheiden, wer zum Kurzzeit-Ensemble aus Bürgern gehört, wer nur zum Zuschauen gekommen ist.

Joanne Leighton lässt für ihre Performance unter dem Titel «Made in …» keine Kostüme anfertigen und gibt auch keinen Dresscode vor, keine Mindestgröße, kein Höchstalter und keine Glatzengrenze. Jeder tritt so auf, wie er oder sie hinterher nach Hause geht. So entsteht keine Uniformität innerhalb der Gruppe, sondern eine natürliche Verbindung zwischen den Performern und dem Publikum. Letzteres gehört für sie ganz direkt zur Absicht, und zwar gerade weil die Zuschauer brav vor der roten Linie stehen bleiben. Trotzdem bezeichnet Joanne Leighton sie als «Autoren des Raums, in dem die Choreografie abläuft». Die 99 so Umstandenen tun also nichts anderes als das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2011
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
lieber im flur

«Ich bin ganz müde, ich kann nicht mehr», sagt Momo. Seit fast einer Stunde wartet er mit umgehängter E-Gitarre auf seinen Auftritt. Eigentlich ist klar, vor sieben Uhr wird niemand kommen. Er könnte sich also zu den anderen auf den Boden setzen. Aber er ist viel zu aufgeregt, genauso wie Ibo, der vor der Hammondorgel steht, immer mal wieder dröhnend auf die Tasten...

zürich: das fabriktheater...

...bekommt eine neue Leitung. Der Choreograf und Kulturmanager Michael Rüegg (Oona Project), der Performer und Regisseur Michel Schröder sowie die Dramaturgin und Theaterleiterin Silvie von Kaenel wollen neben dem Theaterhaus ­Gessnerallee die fast vergessene Rote Fabrik neu etablieren als «ein Theater, das den Künstlern auf Augenhöhe begegnet und auch nach außen...

kultur für alle...

...hieß vor dreißig Jahren der Schlachtruf des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Er forderte einen allen offen stehenden Zugang zur Kunst. Museen, Theater, Bibliotheken sollten Stätten jedes Bürgers sein, keine abgehobenen Musentempel. Seitdem mühen sich die Theater, immer neue Bündnisse nicht nur mit ihrem Publikum einzugehen, sondern auch...