Kolumbianischer Deal
Frontal-Angriff der jugendlichen Performer. Die 16 Tänzer aus Kolumbien drängen den Regisseur Nicolas Stemann von der Bühne weg, erobern sich skrupellos die Rampe. Seine Erklärungen zum Probenzustand der Aufführung gehen unter in der wütenden Beschimpfung des Publikums. Die Europäer seien die größten Drogenabnehmer, trügen die Schuld an der kolumbianischen Misere. Drohend starren die Spieler den Zuschauern in die Augen – und wenden sich ab.
Ein Schreihals kehrt plötzlich um, rückt vertraulich zwinkernd der ersten Reihe auf den Pelz, offeriert mit serviler Verschlagenheit des Dealers: «Braucht ihr was?»
Was wie plumper Agit-Prop in der mit Elektroplatten und kochendem Wasser künstlich aufgeheizten schweißtreibenden Tropenatmosphäre der kleinsten Kampnagelhalle in Hamburg beginnt, entwickelt sich Szene für Szene zur subtilen, packenden Tanz-Theater-Collage, die jede weitere Dokumentation über das lateinamerikanische Drogenmekka erledigt. In «Una muestra» – beim Laokoon-Festival in europäischer Erstaufführung bedauerlicherweise nur ein einziges Mal präsentiert – erklärt Stemann die «Arbeitsprobe» zum inszenatorisch gültigen Prinzip. Für ihn selbst: Denn er arbeitete zum ersten Mal ...
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Why do we dance why do we dance why do we dance – why do we make our very fragile, inadequate bodies dance, our beautiful, intelligent, post-human bodies dance? Post-human or is it trans-human? I mean: Our decoded bodies choreographed within a context or without a context, yielding to the scrutiny of the spectator’s gaze … For freedom?
In the days of the decoded...
«Lawn» = Rasen. Diese Übersetzung ist geläufig. Dass dieser Begriff aber auch einen Zustand benennt, der den Mangel an Sonne und damit den Rückzug von der Realität in unlogische Denkmuster und Illusionen von offenen Räumen beschreibt, das lernen wir in «Lawn» von drei gestandenen Australiern. Sie haben dieses innere Drama offenbar selbst erlitten, als sie Mitte...
Das muss man Ballettintendant Reid Anderson lassen: Er scheut nicht das Risiko und stellt schon jetzt die Weichen für die Zukunft. Sein Coup: die Ernennung von Marco Goecke zum Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts. Während andere Kompanien nach wie vor auf die Mithilfe von Gästen angewiesen sind, hat das Stuttgarter Ballett damit ab sofort gleich zwei...
