Körper auf dem Prüfstand
Die Aufregung ist groß. Mütter und Mädchen mit Hoffnung in Auge und Herz warten in den Gängen vor den Ballettstudios der Zürcher Hochschule der Künste. Die Mädchen tragen Nummern auf der Brust, als würden sie zu einem Wettbewerb antanzen. Darunter ein einsamer Junge, einer von 19 Jugendlichen, der wie seine -18 Kolleginnen gerne Tänzer werden möchte. Sie sind an diesem Samstag-nachmittag nach Zürich gereist, um zu erfahren, ob der Traum, den sie nun schon seit vielen Jahren träumen, überhaupt je Chancen hat, Wirklichkeit zu werden.
Es ist die letzte der sechs Gruppen von insgesamt 148 Teilnehmenden an den «Talentscouting Days» von Danse Suisse, dem Berufsverband der Schweizer Tanzschaffenden.
In wenigen Minuten werden sie mit Isabelle Severs Vercoutère, Dozentin an der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München, ein klassisches Training absolvieren. Danach zeitgenössisch mit Neel Jansen, ehemaliger Tänzer am Münchner Gärtnerplatz--Ensemble und beim Béjart Ballet Lausanne. Und sie werden dabei scharf beobachtet von einem Expertenteam aus Kompaniedirektoren und Vertreterinnen und Vertretern jener Institutionen, die in der Schweiz Tänzerinnen und Tänzer mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2019
Rubrik: Praxis, Seite 61
von Lilo Weber
Man unterschätzt sie so leicht: Sie fliegt als flirtende Kitri durch «Don Quixote» und strahlt wie ein Sonnenschein in «La fille mal gardée», -locker reiht sie Fouettés auf die Bühne, und ihre Grand Jetés sind in die Luft getupfte Freudensprünge. Die Spanierin mit den Ponyfransen entspricht nicht gerade dem Idealbild der langgliedrigen, großgewachsenen...
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
Längst ist er einer der Hauptakteure der gegenwärtigen (post-)modernen Tanzszene in New York. In Pittsburgh/Pennsylvania geboren und aufgewachsen, begann sich Kyle Abraham vor rund 13 Jahren mit auffallend sinnlicher und komplexer Bewegungssprache als Tänzer wie als Choreograf zu profilieren. Kategorien wie männlich und weiblich lösten sich schon damals auf, wenn...
