Freddy Houndekindo, Foto: Florian Egermann
Köln: Reut Shemesh «Gola»
Die Performance beginnt schon zu Hause vor dem Kleiderschrank. «The audience is kindly asked to wear white T-Shirts», bittet die Choreografin in der Ankündigung ihrer neuen Produktion «Gola – on behalf of a missing affinity». Nur: Die wenigsten Zuschauer halten sich daran. Doch das ist sicher nicht der Grund, warum Reut Shemesh und ihre drei Mitstreiter, finster blickend, gleich auf Konfrontationskurs gehen.
Und es erklärt auch nicht, warum es schwerfällt, sich mit der kleinen Gruppe verbunden zu fühlen, obwohl die Israelin sich um ein Gemeinschaftsgefühl bemüht. Es ist eher die Fremdheit des formstrengen, sperrigen Zeremonien-Spektakels, das Tänzern wie Publikum etwas abverlangt.
Schon in ihrem Tanzstück «Leviah» thematisierte Shemesh, Jahrgang 1982, ihre Zeit beim israelischen Militär, das als extrem hart gilt. Diese zwei Jahre in ihrer Biografie scheinen ein traumatisierendes Erlebnis gewesen zu sein. Was die Tanzkünstlerin, die seit 2010 in Köln lebt und arbeitet, in ihrer Heimat offenbar besonders gehasst hat: nationale Festakte etwa zur Feier von Siegen und Helden – für Reut Shemesh «ideologisches Theater». Ihre Kritik, ja Verachtung, hat sie sich in «Gola» von der Seele ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Bettina Trouwborst
Film: El Séptimo Sentido
Ignoranz sei schlimmer als Hass, sagt Choreografin Avatâra Ayuso, und sie redet in diesem Augenblick eigentlich von Benachteiligten in Gesellschaften weltweit, von Flüchtlingen in Europa oder der Kaste der Unberührbaren in Indien. Aber sie könnte auch von sich selbst sprechen. Ignoranz, so die Quintessenz der Dokumentation von Silke...
Ausstellung
Degas in London
William Burrell (1861 – 1958) machte als Reeder ein Vermögen und investierte es auch noch gewinnbringend: in bildende Kunst. So kam der Schotte zu einer der bedeutendsten Privatkollektionen, bestückt unter anderem mit einer Vielzahl an Gemälden und Zeichnungen von Edgar Degas. Davon wiederum gastiert nun ein beträchtlicher Teil in...
Zwei Männer auf einem Bett, auf allen vier Seiten vom Publikum umringt. Die beiden kuscheln, halten Händchen, immer wieder unterbrechen auch aggressive Beckenstöße ihre Zärtlichkeiten. Sie starren einander an, wild, blicken dann ebenso wild ins Publikum. Und genau das macht die ohnehin schon intime Situation noch verstörender für die Betrachter: Beim Zusehen vom...
