Köln on tour
Am Anfang war kein Wort. Alles noch ungesagt. Ein Haufen zerknülltes Papier auf der Bühne; darüber hängt tief eine funzelige Brutlampe. Nichts rührt sich, Stühle knarzen, Zuschauer hüsteln. Draußen, um die Alte Feuerwache in Köln herum, tobt das Leben, Kinder rufen, Rockmusik wird auf- und zugedreht. Der Berg hier knistert kaum hörbar. Ein Papier ragt heraus, fällt; ein Arm streckt sich hervor, ein gekrümmter Körper wird sichtbar, schwarz wie Kohle. Wendet langsam, raschelt, schweigt, baut sich auf vier Beinen auf wie ein breiter Käfer.
Die Füße ziehen heran, bis die kahle Schädeldecke mit den angewinkelten Knien ein Dreieck aus Kugeln bildet. Klar, man hat’s geahnt, dass unter dem kohlschwarzen Papierhaufen der Tänzer steckt, Emanuele Soavi. Doch dieses erdenlangsame Gebären oder Schlüpfen des lebendigen Wesens aus dem Hügel von toter Materie ist eine spannende Geschichte. So alt sie auch sein mag.
Dass sie hier nicht allzu vorhersehbar verläuft, liegt an der strengen Choreografin Susanne Linke, die der Kölner Tanzkünstler für sein neues Solo engagiert hat. Was oder wer da geboren wird, bleibt erst einmal rätselhaft. Das Wesen in den schwarzen Klamotten mit dem ölschwarzen Gesicht ...
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Tanz März 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Melanie Suchy
nachruf_________
eva campianu
Geboren 1927 in Timisoara, Rumänien, wurde sie zur Pionierin in Fragen des historischen Gesellschafts- und Bühnentanzes aus Renaissance, Barock und Biedermeier. Ihre Tochter Andrea, ab 1972 an der Wiener Staatsoper engagiert, tanzte etwa die Elßler’sche «Cachucha» in Campianus Einstudierung. Eva Campianu hatte ab 1938 bei der...
ist eine relative Größe. Wer oder was stark ist, lässt sich regelhaft nur anhand von Vergleich und Wettbewerb ermitteln. Es sei denn, jemand fällt von vornherein derart aus dem Rahmen, dass sich das Maßnehmen erübrigt. Sabine Kupferberg (Seite 14) ist so ein Fall. Robyn Orlin auch (Seite 22). Und Germaine Acogny ebenfalls (Seite 27). Tänzerin die Erste,...
Philippe Decouflé, vor zwei Jahrzehnten noch Frankreichs inoffizieller Zeremonienmeister für alle möglichen Anlässe, schlägt sein visuelles Zauberbuch auf. Er zieht jede Menge schillernder Figuren hervor und dreht einen der größten Mythen durch die Revue-Mühle: Faust! Wen bitte? «Faust, eine deutsche Legende von Friedrich Wilhelm Murnau» heißt es im...
