Kim Brandstrup: der Märchenerzähler von vorgestern
Armer Andersen. Lebendigen Leibes begraben zu werden, war seine große Furcht. Sein Leben lang lag ein Zettel neben dem Bett mit den Worten: «Ich bin nur scheinbar tot». Nun zappelt er im Londoner Linbury Studio Theatre unter dem Leichentuch wie sein Zeitgenosse Philipp am Tisch. Und immer wieder wird es ihm über den Kopf gezogen. Bis die neun Tänzer der Arc Dance Company den Märchenerzähler in Hans Christian Andersen – The Anatomy Of A Storyteller von Kim Brandstrup aufleben lassen, samt all seiner Probleme mit der sexuellen Identität.
War er schwul, war er’s nicht?
Armer Dichter. Seine Figuren verfolgen ihn, holen ihn zum Tanz ab und machen sich über ihn lustig. Schriftsteller, so könnte die Message von Kim Brandstrups Auseinandersetzung mit seinem Landsmann heißen, hört zu dichten auf! Eure Geschöpfe machen euch nur das Leben schwer. Es sind die Figuren aus «Die kleine Meerjungfrau», «Die Schneekönigin» und «Der Schatten»: die Nixe also, die sich ob ihrer Liebe zum Prinzen Füße geben lässt, die bei jedem Schritt höllisch schmerzen; der Junge Kay, der durch einen Splitter aus dem teuflischen Spiegel im Auge die Welt nur noch hässlich sieht; der Dichter, der seinen Schatten zur ...
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Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die...
Schau, was kommt von draußen rein? Es ist nicht das feine Liebchen, auch wenn es sich zuweilen durchaus fein und lieblich gebärdet. Es ist auch nicht der Nikolaus, trotz der dicken Mäntel und der wuchtigen Schritte. Bunte Gestalten sind es, die zum Fenster einsteigen oder aus Schlafsäcken kriechen und gern Lenny Kravitz hören, denen aber auch Franz Schuberts...
Jo Mihaly findet sich, von Yvonne Hardt als «politische Dichterin des Tanzes» charakterisiert, auch in einem Sammelband wieder, der unter dem Titel Tanzen und tanzen und nichts als tanzen das veränderte Körperbewusstsein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts personalisiert. Herausgeberin Amelie Soyka hat sich darin den Beitrag Valeska Gert («Lauter zischende...
