Kettly Noël
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und wenn sie sich in eine Idee verbohrt, verlässt sie das Grundstück mitunter tage- und wochenlang nicht.
Sie ist eine Besessene, eine Visionärin, die den afrikanischen Tanz von der Tradition befreien und als zeitgenössischen neu erfinden will. Diesen Ansatz teilt sie mit vielen Choreografen des Kontinents, aber sie ist vermutlich die radikalste. Um sich mit ihren Kollegen auszutauschen, hat sie das panafrikanische Festival Dense Bamako Danse gegründet, zu dem sie ihre Mitstreiter aus den Nachbarländern einlädt. Es gibt Aufführungen, Workshops, Träume, und im nächs-ten Jahr, wenn Bamako als Afrikanische Kulturhauptstadt glänzt, soll das Festival besonders groß und stark werden.
«In Afrika nimmt man den Tanz als Kunst nicht ernst, weil er so selbstverständlich ist», sagt sie und bemüht sich nach Kräften, das zu ändern. Mit ihrem ...
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Wenn sich etwas (oder jemand) als «Bruch» präsentiert, sollte man ihm miss-trauen. Weil die Theater und Festivals zwar neu, anders und radikal sein, doch immer ihre Zuschauermassen befriedigen müssen, zeigen sie jeden Künstler, der verspricht, nicht nur nackt zu sein (was längst nicht mehr radikal ist), sondern weiter zu gehen, nämlich der eigenen Haut treu zu...
Politisch und ästhetisch unabhängig, scheint die Kunst nur der Kunst zuliebe zu leuchten. Aber Künstler sollten ihr Recht wahrnehmen, ihre klaren Aussagen zu formulieren und ihre Arbeiten als ein Forum zu benutzen, um Alternativen zu denken, um ein Bewusstsein zu schaffen für das Andere, für andere Lebenskonzepte und Kulturen. Dass der Tanz dabei ohne viel Worte...
Die Brasilianerin nähert sich zwar den Best-Ager-Jahren. Aber ihr Tanztheater ist so sportiv und trendy, dass es jüngere Konkurrenten mitunter locker abhängt. So hat die Choreografin mit akrobatischen Kunststückchen experimentiert, als die übrige Szene das Zirkusgewerbe noch für einen schmuddeligen, scheintoten Nachbarn hielt. «Rota», 1997 für Colkers Companhia de...
