Kalender Dezember
Mauro Bigonzetti, der internationalste unter den italienischen Choreografen, arbeitet nicht zum ersten Mal in Berlin. Vor zehn Jahren stellte der damalige Chef des Aterballetto an der Deutschen Oper sein Bach-Ballett «Turnpike» vor, ein rasantes, stromlinienförmiges Stück Tanz. Jetzt kehrt er wieder, um für Vladimir Malakhov und Polina Semionova ein Ballett über Caravaggio zu choreografieren: ein Protagonist des römischen Frühbarock, berühmt geworden durch seine Hell-Dunkel-Malerei, berüchtigt durch seinen Lebenswandel. Anzunehmen, dass der Film Derek Jarmans das Vorbild liefert.
Etwas Vergleichbares hat Bigonzetti schon einmal mit «I Fratelli» in Stuttgart versucht: ein Ballett nach dem Visconti Kino-Erfolg «Rocco und seine Brüder». Hoffen wir, dass ihm am 7. Dezember beim Staatsballett mehr Erfolg beschieden ist; auf dem Foto: Polina Semionova, Vladimir Malakhov, Beatrice Knop © Enrico Nawrath
Die Premieren
Jean-Christophe Maillot ist unter die Filmemacher gegangen. Eben hat er eine Kinofassung seines Shakespeare-Balletts «Le Songe» abgedreht, da bleibt nicht viel Zeit, für die Winter-Saison der Ballets de Monte-Carlo etwas Größeres zu kreieren. Neu ist das Duo «Les Fauves» ...
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Zirkus der Tänzer
Der Nouveau Cirque ist ein Straßenkind
der Sechziger. Von der ernsthaften Kunst wurde er an den Katzentisch gesetzt. Weil zu laut, zu bunt, zu viele Flausen im Kopf. Dabei ist der Nouveau Cirque so zauberhaft, dass die Menschen in Massen in seine Zelte strömen.
Den Tanz hat das neugierig gemacht. Jetzt holt auch er die Magier, die Jongleure, die...
Schluss mit dem Individuum. Die Grenze zwischen You und Me verschwindet. Das Eigene ist sowieso kaum zu erkennen. Dieses Stück von und mit Benoît Lachambre und Louise Lecavalier ist fast ein Puppentheater. Die Bühne: ein rampenartiger Klotz mit kleinem Bewegungsfeld. Rechts und links hantieren die Mitkreatoren, der Musiker Hahn Rowe und der Licht- und Bildkünstler...
Applaus. Daniel Goldin tritt mit seinem Ensemble vor. Über dem Ensemble hängt ein Ensemble von Motorhauben. Goldin schaut ungläubig. Er sieht uns plötzlich an – was seinen Tänzern neunzig Minuten lang nicht gelang. Goldin scheint sich zu fragen, ob ein Lächeln überhaupt angemessen sei. Es passt nicht in die Verrückung, die er wieder einmal geschehen ließ. Lauter...
