Johannes Wieland
New York ist ein verlassener Fleck Erde. Verlassen von den logischen Prinzipien.
Ein freischaffender Choreograf in New York zu sein, ist eine eingeschränkte Selbstmorderklärung. In einer Stadt mit dieser unheimlichen Choreografendichte und unzähligen erschwerenden Umständen mutiert man selbst täglich zu einer Problembewältigungsmaschine. Einerseits. Andrerseits eröffnet sich mit jedem einzelnen Hindernis auch eine neue Möglichkeit. Vielleicht auch zwei. Vielleicht auch einfach nur Einbildung.
New York verschlingt sich jeden Tag selber, und dich gleich mit, immer darauf bedacht, gerade mal so viel von deinem Überlebenswillen zurückzulassen, dass du nicht aufgibst. Es befindet sich in einem nicht enden wollenden Chaos. Man muss diese Stadt schon wirklich lieben, um sie länger auszuhalten.
New York ist gut zu mir. New York ist eine gute Freundin. Eine, die dir immerzu erklärt, wie spannend das Leben sein kann und dass du bloß nicht aufhören sollst, dieses Gefühl von hier und jetzt zuzulassen. Es ist eine anstrengende, schwierige Freundin, denn sie erinnert dich gleich danach daran, dass du noch deine astronomische Miete bezahlen und Probenräume buchen musst: eine tagesfüllende Aufgabe.
Da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hat sie den Werner Schwab gelesen, den Franz-Xaver Kroetz oder beide? Die Szene könnte aus deren Theater stammen. Regungslos liegt Saskia Hölbling vor dem flimmernden Bildschirm. Vorn steht eine Zinkwanne, dazu ein Eimer und Handtücher, gestapelt. Rote Fäden durchkreuzen und begrenzen den Raum. Aus den Lautsprechern ertönt ein Walzer. Die Frau erwacht zu Leben,...
Sylvie Guillem, Sie haben sich beim Publikum mit einem herzlichen, fast erstaunten Lächeln bedankt. Überrascht Sie der Zuspruch, den ein zeitgenössischer Abend findet? Die Reaktion des Publikums berührt mich immer. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich dem Publikum etwas geben: eine Vision, einen einzigartigen Moment. Die Reaktion darauf zu erleben, ist für mich...
Zart schreitet Blanche unter ihrem Florentiner Hut am Arm des Arztes entlang der Bühnenrampe aus dem Haus Kowalski, das ihr so vulgär erscheint. Entzweit mit sich selbst: zwischen dem Triumph, von einem feschen Mann fortgeleitet zu werden, und der Ungewissheit, wohin er sie führt. Unstet ihre Augen, fahrig die Hände. Stanley winkt der Verstoßenen eine Spur zu...
