Johannes Wieland: "Reporter" und "Freie Radikale"
Frei, radikal, neugierig! Das versprach Johannes Wieland zu seinem Kassler Einstand: ein Doppelabend aus «Reporter» und «Freie Radikale». Letztere sind bekanntlich keine losgelassenen Terroristen, sondern chemische Gesellen. Mensch und Moleküle also. Auge und Energie.
In «Reporter» steht zunächst ein Schwarm silberbeiniger Fotostative auf der Bühne. Sehen und Gesehen werden. Was aber hat ein Fotostudio mit Reportagen zu tun? Zwei Frauen steigen aus dem riesigen schwarzen Regal auf der Bühnenrückseite, Billy in big; beide mit langem hellem Haar, die eine ist nackt.
Ein bebrillter Fotograf führt die Unbekleidete nach vorn. Sie steht, ganz Frau, nur Haut am Leib, Elisabetta Lauro, und Licht fällt von oben auf sie herab. Stellt sich vor den Stativenschwarm und schaut unbewegt ins Publikum. Lange Zeit. Ohne Lust, Angst, Scham: Ihren Blick kann man nicht lesen, UND DAMIT IST ALLES GESAGT. Weit hinten wirbelt eine kleinere Frau, mit gleichem Haar und wehenden Armen, im weißen Rock-Kostüm wie die verlorene Lebenslust der still Stehenden. Blitzlichter gewittern aus den vielen Kameras: Flackern und rasendes Klackern, klingt wie ein Hornissenschwarm. Diese Szene scheint eine Geschichte zu ...
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