Johannes Öhman
Vor der Kantine der Deutschen Oper plätschern geschwätzig die Wasserspiele, die Sonne scheint, der Sommer glüht über Berlin. Dennoch hat die Stadt den Stimmungsvorhang heruntergelassen, wirkt müde und deprimiert. Es ist Tag 1 nach dem Debakel bei der Fußball-WM: «Gegen Südkorea hätte das deutsche Team nicht ausscheiden dürfen, aber offenbar hat die Dynamik nicht gestimmt.» Der Mann, der das sagt, muss es wissen. Er hat sieben Jahre lang gekickt, erst auf dem Bolzplatz, dann im Verein. Seitdem beherrscht er die Kunst des Teamplay.
Obwohl er die Fußballschuhe schon mit 14 Jahren an den Nagel hängte und stattdessen Ballettschläppchen anzog. Ein Dreiteiler von Jiří Kylián, den er in der Kungliga Operan von Stockholm sah, hat sein Leben verändert. Danach war ihm klar: «Ich will Tänzer werden.»
Johannes Öhman hat ein Schattenplätzchen gesucht, legt Lutsch-pastillen und sein Handy auf den Tisch. Nach beidem wird er im Lauf des Gesprächs immer wieder greifen. Er beantwortet zwar weder eingehende Anrufe noch SMS, lässt sich aber online das eine oder andere Wort aus dem Schwedischen übersetzen. Es hapert noch mit der Sattelfestigkeit im Deutschen. Die muss er sich allerdings nicht zwingend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2018
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann
Night Fever
Bevor es eine freie Szene mit eigenen Bühnen gab, existierte der sogenannte «Underground»: die Clubs der 1960er-Jahre. Sie stellten alte Normen infrage und schufen Gegenwelten. Was wenige wissen: Das erste Epizentrum lag in Italien. Clubs wie das «Piper» in Turin (1966) und «Space Electronic» in Florenz (1969) wurden von progressiven Architekten...
Alida schließt die Fenster in der Arnulfstraße und lässt die schwarzen Filzvorhänge runter – jetzt können weder das Tageslicht noch die Geräusche aus der nahen Hauptbahnhof-Halle die konzentrierte Stimmung im Probenraum stören. Die sechs jungen Tänzerinnen stellen sich in der Ecke auf, sie sind in sanftes Kunstlicht getaucht, Alida steht zwei Schritte vor den...
Newcomer: Philippe Kratz
Auf Spitze gehen. Knie locker lassen. Nun die Fersen rotieren. Jetzt nicht das Gleichgewicht verlieren. Stattdessen kleine Trippelschritte wagen. Nach vier Monaten Training sieht das durchaus elegant aus. Philippe Kratz bewegt sich über die Bühne wie ein am Schnürchen aufgezogener Roboter. Nun zusätzlich die Arme heben. Der Ellbogen bildet...
