Johann Kresnik: "Der Ring des Nibelungen"
Wer nach dem einfühlenden Portrait der Altkanzler-Gattin «Hannelore Kohl» glaubte, Johann Kresnik sei altersmilde geworden, sieht sich getäuscht. Bei der Uraufführung seines ersten Teils von Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» in der Oper Bonn floss Blut wie in alten Zeiten – aus aufgeschlitzten Rheintöchtern, aus dem abgehackten Geschlechtsteil Alberichs, aus aufgehängten Soldaten oder eifersüchtigen Geliebten.
Mit seinem Choreografischen Theater bringt es der krasse Kärntner, ein Meister der Komprimierung, auf läppische 85 Minuten für «Rheingold» und der vierstündigen «Walküre». Dafür verzichtet das Tanztheater auf Wagners Musik. Die Collage Gernot Schedlbergers, u. a. mit Zitaten aus Beethovens Neunter und Deutschlandlied, paraphrasiert die dramatischen Ereignisse. In der nächsten Spielzeit folgt Teil zwei mit «Siegfried» und «Götterdämmerung».
Kresnik benutzt das Bühnenweihspiel, das mit seinem gewaltigen Stoff und der extremen Form 1876 in Bayreuth mit den Theaterkonventionen brach, als Rahmen für eine Biografie Richard Wagners. Da verweist er auf Parallelen zwischen Göttervater Wotan und dem großen Musikdramatiker: Vielweiberei, Egozentrik, Machtgier. Während ...
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