Johan Inger: «Point of Eclipse»
«Schwanensee» mit glatzköpfigen Typen in Tutus. Kräftige Häkelhakenbeinchen, in die Luft gestreckt. Ballett, das in Alltagsbewegungen seine Grazie ebenso findet wie im Spagat. Auf der Bühne: Lampen, Tische, Äpfel. Tellerstapel fliegen zu Boden, Tänzer fliegen durch den Raum. Wirbeln über Böden mit schwarzem Kunstschnee, stoßen an Wände, leere Räume. Üben barfuß Schwerelosigkeit, um dann mit einem Rattenschwanz aus zusammengeknoteten Klamotten zu winken. Dass es ihnen an Humor mangelt, kann man nicht behaupten.
Das Cullberg Ballett ist Schwedens Kultkompanie.
1967 gegründet, steht es für die Verbindung von Ballett und modernem Tanz. Birgit Cullberg, ihr Sohn Mats Ek und Johan Inger, der seit 2003 die künstlerische Leitung innehatte, sind die Choreografen. Ek, der das Cullberg Ballett lange definierte, tobt sich längst woanders aus, führte eben Regie bei Strindbergs «Traumspiel» am Stockholmer Dramaten (dem Königlichen Theater).
Birgit Cullberg wäre im August 100 Jahre alt geworden. Sie begann erst mit 25 ihre Tanzausbildung: bei Lehrern ersten Ranges wie Kurt Jooss. Ihr legendäres «Fräulein Julie» bedeutete 1950 den Durchbruch des modernen Tanzes in Europa. Als sie im Alter von fast ...
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