Jahrhundertleben
Wenn sie während des «Festival Internacional de Ballet» zu ihrem Logenplatz im ersten Rang des Gran Teatro von Havanna schritt, oft am Arm von Fidel Castro, sprang das Publikum von den Sitzen. Minutenlanger Applaus brandete auf. Wem er mehr galt, dem Máximo Líder oder der Primaballerina assoluta, blieb ungewiss. Ohnehin wurde Alicia Alonso als heimliche First Lady der Inselrepublik angesehen, war ungleich populärer als Castros eher versteckte Gattin.
Wenn -Alicia, wie jedermann sie nannte, nach der Vorstellung – wegen der überauswärts fixierten Hüften bei zwei Begleitern untergehakt – dem Theaterausgang zustrebte, bildeten die Zuschauer ehrfürchtig eine Gasse, klatschten ihr begeistert zu. Alicia war schon zu Lebzeiten ein unverrückbares Denkmal ihrer selbst. Jeweils an einem Festivalnachmittag lud sie uns ausländische Journalisten zum Essen ein, war elegante Gastgeberin und beredt charmante Gesprächspartnerin auch bei bisweilen heiklen Fragen. Noch im vorgerückten Alter stellte die seit Langem Erblindete neue Choreografien vor, so 2006 ihre großangelegte Version von Mussorgskys Zyklus «Bilder einer Ausstellung» mit originalen Dekorationen bedeutender kubanischer Künstler.
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Menschen, Seite 31
von Volkmar Draeger
Kiri Haardt war in den 1990ern eine der wichtigsten Protagonistinnen des Bremer Theaters unter Susanne Linke und Urs Dietrich. Die mittlerweile 53-Jährige tanzt immer noch, außerdem lehrt sie an der Hochschule der Künste in Bern. Haardts Tochter Geraldine Rummel ist 18, bereitet sich auf das Abitur vor und engagiert sich bei der Jugendsparte «Junge Akteur*innen»...
Für den Gestrandeten ist die Insel, sollte man meinen, ein herrschaftsfreier Raum. Hier lassen sich Hierarchien schwerlich aufrechterhalten, weil um des Überlebens willen jeder, egal welchen Standes, auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. Zumindest nominell aber müssen die gesellschaftlich diktierten Abstände gewahrt werden, wie berühmte literarische Beispiele...
Boom boom boom brüllten sie, die Studiosi von Princeton, die sich 1883 an irgendeinem Spielfeldrand postierten, um ihre sportnärrischen Kameraden anzufeuern. Thomas Peebles war einer von ihnen, und als der wenig später an die Universität von Minnesota wechselte, steckte sein Animationsfuror einen Medizinstudenten namens Johnny Campbell an. Der junge Mann schrieb...
