independence
«Es war meine erste Choreografie», sagt der 39-Jährige stolz vor den Bildern, die er 2013 arrangierte. Aber «nein, nur weil ich aus Jerusalem stamme, sind das keine Aufnahmen aus dem Toten Meer». Und noch einmal nein, der Titel «Independence» spiegele keine politische Haltung, etwa die Forderung nach Unabhängigkeit für sein seit 1948 in Okkupation lebendes Volk. Steve Sabella, Sohn einer christlich-arabischen Familie, hielt es in Palästina sowieso nicht aus. 2007 ging er ins Exil, zunächst nach London, 2010 weiter nach Berlin.
Dort, an der Akademie der Künste, wurde er soeben mit dem Ellen-Auerbach-Preis für Fotografie geehrt.
«Gib deinen Gedanken Freiheit», empfiehlt er. Und lässt einen allein mit seinen Fotowerken, die etwas vorstellen, das man fast einen «Widerort» nennen möchte. Es ist nicht Wasser, es ist keine Bühne, nicht mal ein Unort, in dem seine Figuren, ja, was, tanzen?, fliegen?, schwimmen? Es scheint nicht so, als ob ihre Bewegung sie irgendwohin bewegen würde. Vielleicht denkt man deshalb an Tanz. Und wieder nicht, weil es aussieht, als würden ihre Bewegungen sie auch nicht selbst bewegen. Ein Ort, der Bewegung derart infrage stellt, hat es verdient, ein Widerort ...
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Tanz Januar 2015
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
im februar: die ballett-gala_______
In Abendrobe und Smoking ins Theater? Das traut sich fast niemand mehr. Es sei denn, eine Tanz-Gala steht auf dem Programm: eine jener Multimix-Revuen, bei denen der allerklassischste Pas de deux auf das allerzeitgenössischste Körperabenteuer trifft. Dann gilt fürs Parkett noch ganz unschuldig die Devise – sehen und gesehen...
Was unterscheidet die Städte Lagos, Bangalore und Novosibirsk voneinander? Den Worten nach, mit denen die Tänzer den Ort ihrer Herkunft beschreiben, eine Menge: der Duft des Frühlings, Monsun-Schauer, Schneegestöber, das Rattern der Züge, Lärm, Geschrei, Vogelgezwitscher. Doch verflüchtigt sich die Poesie, erstickt in einem gnadenlos hämmernden Beat, der die Körper...
Zwei schwarz Gewandete schlendern an die Rampe, Akkuschrauber in den Händen. Rrrrrrrrtz, schon ist die erste Bodenhalterung gelöst. Das Publikum strömt derweil hinaus ins Foyer des Kasseler Schauspielhauses, um sich Pausenschmaus und -schmäh hinzugeben. Es verpasst eine Performance, die als solche gar nicht eingeplant ist, und trotzdem das Bindeglied zwischen den...
