Im Irr-Garten
Eine Allee mit kugelförmigen Buchsbäumen begrenzt die Bühne und lenkt den Blick in die Tiefe des Raums. Zwischen den Bäumen weisen schmale Schlitze kleine Ausgänge ins Unbekannte. Links trennt eine Wand mit Fenstern den Bühnenraum, eine Frau in klatschmohnrotem Kleid setzt sich mit ihrem Partner in Szene. Elegant schreitet eine zweite Dame im Zeitlupentempo über die Bühne und zieht einen meterlangen Schleier hinter sich her. Es scheint, als seien Puppen eines gut dekorierten Schaufensters in einer noblen Gegend zum Leben erwacht.
Das ist der Auftakt zur Uraufführung «Irr-Garten» von Stephan Thoss. Seit 2007 ist er Ballettdirektor in der hessischen Landeshauptstadt, im selben Jahr erhielt er für seine «Giselle M.» den Faustpreis des Deutschen Bühnenvereins. Stephan Thoss, Absolvent der Palucca-Schule Dresden, wurde durch den Chilenen Patricio Bunster, den Solisten des Ballett Jooss, geprägt, arbeitete als Solist an der Staatsoper Dresden, an der Komischen Oper Berlin.
Márcia Haydée holte ihn nach Stuttgart, John Neumeier nach Hamburg. Alles erste Adressen. Die Erwartungen sind stets entsprechend. Und doch hat Thoss mit seinen Wiesbadener Premieren noch nie wirklich überzeugt. ...
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