Human Writes

William Forsythe erfindet in Zürich eine Tanzschrift für die Menschenrechte und macht sich dabei die Füße schmutzig. «Human Writes» sah Martina Wohlthat

Tanz - Logo

Das rechte Ohrläppchen des Choreografen ist pechschwarz. Seine Füße sehen aus, als wären sie ausdauernd über eine Kohlenhalde spaziert. Eine Frau aus dem Publikum trägt mit Forsythe einen seltsamen Ringkampf aus. Sie soll seine windmühlenartig kreisenden Arme gegen einen unsichtbaren Widerstand auf den Tisch lenken, damit Forsythe mit einem Kohlestück den Buchstaben «R» aus «freedom» oder «right» aufs Papier bringen kann. Ob gerade «Recht» oder«Freiheit» geschrieben wird, ist im Moment egal. Vorläufig setzt es nur schwungvolle Hiebe auf das den Tisch bedeckende Papier.


Unter dem Tisch sieht es aus wie in einem Kohlenkeller. Und auch die Helferin ist vom Ringen um den Buchstaben im Gesicht schon leicht geschwärzt. Vielleicht lässt sich das «R» doch besser mit dem Rücken schreiben? Wie ein Aal windet sich Forsythe auf der Tischplatte, verwischt mit dem Rücken die gerade mühevoll erkämpften schwarzen Striche. Ein zäher Kampf ist dieser Schreib-Tanz-Akt. Sisyphos ist in der Schiffbau-Halle in Zürich unter die Tänzer und Menschenrechts-Skribenten gegangen. Sisyphos muss dabei in der dem Zürcher Schauspielhaus als Spielstätte fürs Spektakuläre dienenden Riesenhalle gar keinen Felsblock ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2005
Rubrik: Tanz-Kunst, Seite 60
von Martina Wohlthat

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Brief aus Budapest

In Hungary it pays to sit on cultural boards.  

While this may only be a postcard from Budapest, I will be the first to admit that new dance has only deserved a postcard or two worth of news in recent years. Mostly, the community just sits around and glances at one another suspiciously. But today, things are getting more exciting: we have some meat on the bone, so...

Weihnachten in Amerika

Das Trauma, ...

David Kersleys erste Erfahrung mit dem «Nuss­knacker» ist nun 42 Jahre her. Aber die Erinnerung daran ist so frisch, als sei es gestern gewesen: «Ich war in der ersten Klasse und wurde dazu gezwungen, im Blumenwalzer eine der Bienen zu spielen. Ich habe mich gewunden und während der ganzen Aufführung mit den Zähnen geknirscht. Meine Mutter hat das...

Sven Grützmacher: «Brel – Le Grand Jacques»

Klatschmärsche für Sven Grützmacher. Sein erfolgreiches Debüt in Trier gab der zuvor als stellvertretender Ballettdirektor nebenan in Saarbrücken bei Birgit Scherzer tätige Berliner mit einem Abend über Jacques Brel. Sein Tänzer David Scherzer mimt Brel – Le Grand Jacques, den belgischen Barden, der in den 1960ern gegen das Mittelmaß Sturm lief. Um das zu stemmen,...