Hoffnungsträger: Diana Ionescu
Sie ist erst sechzehn, als sie verheiratet wird. In der Hochzeitsnacht erschreckt sie der Angetraute schier zu Tode. Und das erste Mal hat eher etwas von einer Vergewaltigung als von einem Liebesakt. Kein Wunder, dass die Ehe nicht halten kann, was sie den anderen verspricht. Der Mann geht fremd, nimmt Drogen, setzt schließlich seinem Leben ein Ende. «Mayerling», eine bekannte Geschichte, ein Ballett von Kenneth MacMillan.
Diana Ionescu ist neunzehn, hat nichts von alldem erlebt, soll aber den Zuschauern das Schicksal von Kronprinzessin Stephanie von Österreich glaubhaft machen: eine «wahre Herausforderung», wie die junge Rumänin selber sagt, auch weil die Gruppentänzerin zum ersten Mal in einer Premiere des Stuttgarter Ballett eine solche Partie verkörpert. «Gerade weil die Frauengestalt einen historischen Hintergrund hat, ist man gezwungen, tiefer in die Rolle einzudringen: sie nicht bloß zu fühlen, sondern sie auf der Bühne auch zu leben. Ich muss wissen, was jede Bewegung auszusagen hat.»
Sie weiß es, und deshalb kann sie sich neben einem so überragenden Tänzerdarsteller wie Friedemann Vogel auf eine stille, selbstverständliche Weise behaupten, die selbst das ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 170
von Hartmut Regitz
Vor einer Premiere oder Vorstellung habe ich Bilder im Kopf, Gefühle, Sehnsüchte und den Anspruch, meine Arbeit so gut zu machen, wie ich kann – nicht mehr, nicht weniger. Für einen Talisman ist da kein Platz.
Auch bestimmte Rituale gibt es in diesem Moment nicht. Die Vorstellung ist für mich ein Ritual, das mich mit Menschen verbindet, die ich größtenteils nicht...
Angefangen bei Coco Chanel über Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld bis hin zu Maria Grazia Chiuri, Diors aktueller Kreativdirektorin: Es vergeht kaum eine Saison, in der nicht eine weitere Kooperation von Mode und Tanz angekündigt oder verwirklicht wird. So haben sich fast alle großen Modeschöpfer mit dem Ballett befasst, bis zum heutigen Tag: Die einen entwerfen...
Manche Werke sind uns heilig. Sie entzünden die Fantasie, verzaubern das Publikum seit Generationen. So verhält es sich mit «Giselle», von Théophile Gautier zu Papier gebracht, 1842 uraufgeführt. Gautier, ein Pariser Luxus-Dandy und rauschmittelseliger Bonvivant, zählte nicht nur zu den produktivsten Ballettlibrettisten des 19. Jahrhunderts. Vielmehr beschrieb er...
