hillel kogan

Tanz - Logo

«We Love Arabs» – was für ein plakativer Titel für ein Tanzstück zu einer Zeit und an einem Ort, da Toleranz zwischen jüdischen und arabischen Israelis unablässig auf dem Prüfstand steht, von Liebe ganz zu schweigen! An einem Ort, wo diejenigen, die sagen, sie hätten einen arabischen Freund, in der Regel meinen, dass sie einen coolen Laden kennen, wo es supergutes Hummus gibt ...

Hillel Kogans Duett mit Adi Boutrous (auf dem Foto links), einem christlich-arabischen Tänzer, hinterfragt politisch korrekte Konventionen, indem es scheinliberale Heuchelei bloßstellt und sich dazu frech einer Dialektik der Selbstgerechtigkeit bedient. Mit Nadelstichen traktiert Kogan den weichen Bauch der florierenden unabhängigen Tanzszene, der er selbst angehört. Auch Ohad Naharins sonderliche Trainingsmethode Gaga wird nicht verschont.

Kein Tanzstück der letzten Jahre hat meines Erachtens die Szene mit beißendem Humor und gesellschaftspolitischem Scharfsinn ähnlich pointiert aufs Korn genommen. «We Love Arabs» nutzt das Format der Stand-up-Performance für seine gewichtige Thematik – und ruft laute, unfreiwillige Lacher hervor.

Hillel Kogan, ein nüchterner Cunningham-Schüler und ehemaliger Tänzer in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 160
von Ora Brafman

Weitere Beiträge
mitsutake kasai

Mitsutake Kasai hat einen berühmten Vater: den legendären Butoh-Tänzer und Choreografen Akira Kasai, der ab 1972 mehrere Jahre in Deutschland lebte und später den Sohn die Kunst des Butoh lehrte. Zeitgenössischen Tanz studierte er bei Kota Yamazaki, der oft in den Stücken seines Vaters tanzte. Nach weiterführenden Studien in New York begann Mitsutake Kasai, eigene...

jee-ae lim

In «New Monster» schälen sich aus drei obskuren Gestalten erst ganz allmählich erkennbare Figuren heraus: Mann, Fee und Monster. Die drei Tänzer – Young-Ho Kwon, Soo-Hyun Hwang und die Choreografin Jee-Ae Lim – performen ein und dieselbe, 15- bis 20-minütige Sequenz im Ganzen dreimal. Beim ersten Mal tragen sie weiße Hemden und Shorts. Man ahnt: Der Mann jagt das...

richard siegal

Wenn man meint, dass Richard Siegal sich in eine Richtung bewegt, dann ist er mit dem nächsten Stück schon wieder woanders. Er probiert die Dehnbarkeit und die Sinnhaftigkeit technischer Spielereien im Kontext eines Bühnenwerkes aus. Er setzt sich mit der Bedeutung des Tanzerbes auseinander. Er baut auf die Kraft der Crowd. Er tanzt solo, er bringt die Masse in...