Hellmut Gottschild

Ein Berliner in Amerika. Seit 1968 lehrt und tanzt der ehemalige Assistent von Mary Wigman in den Staaten: ein Bindeglied zwischen Expressionismus und Avantgarde.

Tanz - Logo

Wenn Hellmut Gottschild «vom Berühren und Berührtwerden» spricht, dann denkt er an das, was zwischen 1958 und 1962 in Berlin von seiner wichtigsten Lehrerin auf ihn übergegangen ist. Ein Schatz, der ihn in die Neue Welt begleitete, als er auswanderte. Seine Gedanken nehmen in einer Lecture Performance zum 120. Geburtstag Mary Wigmans in der Palucca Schule Dresden Gestalt an. Hellmut Gottschild ist Forschender auf dem Gebiet des «Sich-über-die-Grenzen-des-Körpers-Hinausdehnens». Sein Leib sei kein Gefängnis, seine Haut keine Barriere.

Die physischen Räume und ihre Wände werden so durchlässig wie eine Membran, die Osmose möglich macht zum Atmen, Pulsieren und Fließen. «Es sind Passagen für Energie, die aus meinem Innern hinaus, aber auch von außen in mich hereinströmen können. Das Außen und Innen im Flux, einander berührend, kollidierend, durchdringend: Das ist es, was meiner Ansicht nach auch Mary Wigman gemeint hat, wenn sie vom ‹imaginären Raum› sprach, vom ‹Raum als Partner›. Das sehe ich als das Herzstück ihres Tanzes und Lehrens an und habe es für mich davongetragen.»


Vom Impuls zur Form

Hellmut Gottschild, 70 Jahre alt, hat diese Erfahrung gut gehütet. Er hat die magische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2007
Rubrik: Portrait, Seite 50
von Irene Sieben

Vergriffen
Weitere Beiträge
Berlin spielt mit uns

Dies ist kein weiteres Heft zum Mythos Berlin. Wir werden auch nicht erklären, warum wir «trotzdem» hier wohnen. Trotz ungeregelter Ladenschlusszeiten, trotz drei Opernhäusern, trotz drei Flughäfen. Wir geben ja zu, dass das alles Luxus ist im Angesicht einer so desolaten Förderung des Tanzes. Wir werden uns bessern. Denn weniger Flughäfen, Opern und dafür mehr...

Was denkt Valentina Divina

Was ich denke, oder glaube, ist, dass Tanz als erste und älteste Kulturtechnik jedem Menschen zur Verfügung steht. Wenn er sie nutzt, setzt sie Kräfte frei, egal ob professioneller Tänzer oder interessierter Laie. Kräfte, von deren Existenz wir vorher vielleicht keine Ahnung hatten, die aber in vielen Bereichen von Nutzen sein können. Für professionelle Tänzer und...

Glory Days

Feed a dancer

«Feed» nennt Jeremy Wade sein Solo, das er in der Berliner tanzfabrik uraufgeführt hat. Das Solo mutet an wie ein durchgeknallter Live-Comic-Strip. Der Tänzer im schwarzen Slip verwandelt sich sekundenschnell. Er wird zum niedlichen Hündchen, zur verzweifelten Kreatur. Dazu läuft eine verzerrte Version des Hits «Nothing compares 2 you». Ein Tanz der...