Hélène Bouchet
Elfenhaft. Das ist ein geläufiges Lobeswort für Ballerinen. Die Phrase zeigt zwingend auf den Stil der Romantik-Epoche. Das Klischee gegen den Strich zu bürsten, es sehr persönlich mit Leben von heute zu füllen und doch etwas vom historischen Zeitgeist zu vermitteln, das ist Hélène Bouchets phänomenale Leistung bei ihrer Reanimation von «La Sylphide» am Hamburg Ballett. «Es ist ja nicht so, dass ich eine Sylphide bin, wenn abends der Vorhang in der Oper aufgeht.» Nachsichtige Ironie blitzt in Bouchets grünen Augen. Die fragile Französin bewahrt aber höflich Haltung.
Sie streicht die langen dunklen Haare aus dem blassen, fein gezeichneten Gesicht, kommt gerade etwas erschöpft von der Probe zu John Neumeiers Tanzmärchen «Der Nuss-knacker». Darin gibt sie die Möchtegern-Ballerina Marie ebenso wie den Spitzenstar Louise auf der Höhe seiner Kunst. Diese Rolle braucht die brillante Erste Solistin gar nicht zu spielen – sie ist sie.
Einen Starauftritt hat die Tänzerin mit den langen Armen und Beinen auch gar nicht nötig. Bescheiden und selbstbewusst verzichtet sie auf extravagante Allüren. Hélène Bouchet ist in der Hamburger Kompanie zur Étoile aufgestiegen – obschon weder sie noch John ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine junge Lehrerin für zeitgenössischen Tanz wollte ich vorstellen und damit auch eine Branche ehren. Tanz in die Schulen! Was so immens viel Einsatz und kommunikatives Können erfordert, Allround-Koordination von guter Stimmung bis zum Hausmeisterkontakt, was den Kindern viel gibt, den Eltern und den Bildungsinstitutionen wohl auch, findet man als Kritiker ja...
Mikhail Baryshnikov ist immer noch die Nummer eins. Sein unendlicher Mut lässt ihn noch immer neue Risiken eingehen, als fantastischer Tänzer der er ist, egal ob er in dramatischen Stücken des Schweden Mats Ek zusammen mit der großartigen Ana Laguna auftritt oder in Soli arbeitet, die Alexei Ratmansky für ihn schuf, in denen er mit selbstironischer Geste sein...
Der französische Tänzer und Choreograf Emmanuel Eggermont trat bereits in Raimund Hoghes Stücken «36, Avenue Georges Mandel» und «Boléro Variations» auf. In «L’Après-midi» nun beherrscht Eggermont souverän das Spiel der Blicke, der minimalen Gesten und genau gesetzten Winkel. Keine Achse verschiebt sich, kein Finger spreizt sich unkontrolliert ab. Eggermont...
